MIT DEM ELEKTROAUTO AUF DER LANGSTRECKE

QUER DURCH NRW BEI  DER E-CROSS GERMANY

Wir rollen auf die Startbahn. Am Kopfende halten wir nochmal an. Dann ein Ruck, die Beschleunigung presst uns in die Sitze. Ssssss, nur ein leises Surren ist zu hören, als wir mit 130 Sachen über den Asphalt flitzen. „Gar nicht so schlecht“, freut sich der Fahrer. „Ich hätte nicht gedacht, dass ein Elektroauto so gut anzieht.“

Der BMW i3 auf dem Oerlinghausener Segelflugplatz
Den Geschwindigkeits-Test auf dem Oerlinghausener Segelflugplatz nahe Bielefeld hat der kleine BMW i3 mit Bravour gemeistert, jetzt geht es weiter auf der Strecke. Bis nach Aachen müssen noch viele Kilometer gefahren und Wertungsprüfungen abgelegt werden. Hoffentlich geht uns unterwegs nicht der Strom aus. Denn darum geht es auf unserer Rallye: Mit reinem Elektroantrieb wagen wir uns auf die Langstrecke.

Düsseldorf ist der Flughafen der kurzen Wege. Das kommt nicht nur den Passagieren zu Gute, die schnell zwischen den drei Flugsteigen umsteigen können und in wenigen Minuten vom einen Ende des Terminalgebäudes zum anderen gelangen. Die kurzen Wege machen sich auch auf dem Vorfeld und dem Flughafengelände bemerkbar. Ein Grund, weshalb der Airport seinen Fahrzeugpool für Verwaltungsmitarbeiter komplett auf Elektrofahrzeuge umgestellt hat. Zehn BMW i3 und vier E-Golfs gehören zu seiner Flotte. Doch sind sie auch außerhalb des Flughafens, auf der Langstrecke quasi, einsetzbar? Das will ich zusammen mit meinem Kollegen Peer Hendrik Leßlich herausfinden. Wir nehmen an der „e-Cross Germany“ teil, einer Rallye für Elektrofahrzeuge quer durch NRW und damit auch quer durch das Einzugsgebiet unseres Flughafens.  Das Motto der Tour: „0 Prozent Emission, 100 Prozent Emotion“.

Für den i3 sind die 260 Kilometer Strecke zwischen Start- und Endpunkt eigentlich kein Problem. Laut Hersteller hat er sogar bis zu 350 Kilometer Reichweite. Doch da wir zwecks stromsparender Fahrweise nicht auf der Autobahn und auch nur im geruhsamen Tempo unterwegs sind, nehmen wir einige Kilometer mehr in Kauf. Denn Rallye-Gewinner wird nicht, wer als Erster am Ziel in Aachen ankommt, sondern wer möglichst ressourcenschonend fährt und dabei knifflige Prüfungen meistert. Ehrensache, dass wir unterwegs nicht auf den so genannten Range Extender zurückgreifen wollen, ein zusätzlicher Neun-Liter-Tank, mit dem der Wagen seinen eigenen Strom produzieren kann. Dass wir ihn mit an Bord haben, beruhigt trotzdem ungemein.

 Fenster runter und Nase raushalten

Bevor wir losfahren, klärt mich Peer, Diplom-Geologe und am Airport für Umweltthemen zuständig, auf: Bis 2020 will die Bundesregierung die CO2-Emissionen um 40 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 senken. Dann sollen eine Million Elektroautos unterwegs sein. Schöne Ziele, aber sind sie auch umsetzbar? Unser Start klingt schon mal ganz gut – nämlich überhaupt nicht. Elektroautos sind so leise, dass man beim Fahren doppelt und dreifach nach allen Richtungen Ausschau hält, ob ein Fußgänger uns nicht doch übersieht. Um die Reichweite zu verlängern, verzichten wir auf Radio und Klimaanlage. Also Fenster runter und die Nase raushalten. Mit 50 bis 70 Stundenkilometern tuckern wir durch den Teutoburger Wald.
 
Was wir unterwegs sehen: Viel Natur. Bäche, Seen, Wälder. Was wir nicht sehen: Stromladestationen. Und dabei haben wir bereits bei Lippstadt nur noch 20 Kilometer Reichweite. Unser Bordnavi ist auch keine große Hilfe, denn es zeigt keine öffentlichen Ladestationen an und wenn doch ein kleines Ladesäulensymbol zu sehen ist, müssten wir schon einen Umweg mitten in eine Stadt fahren. Wollen wir aber nicht. Gut, wir hätten uns natürlich im Vorfeld eine App mit sämtlichen Ladestationen aufs Smartphone laden können, um unseren Weg im Voraus zu planen. Aber wo bleibt da die Spontaneität?

Langsamkeit 2.0 oder der Weg ist das Ziel

„Die noch fehlende flächendeckende Ladeinfrastruktur ist ein echtes Problem“, bemerkt auch Peer. Die Stromzufuhr ist bei Elektroautos nicht einheitlich – jeder Hersteller hat sein eigenes System entwickelt, das mal mehr, mal weniger schnell lädt. Standards fehlen auch bei den Ladestationen. Da ist noch enormes Potential da. Zum Glück ist die Rallye gut organisiert und alle Stationen auf dem Weg markiert. So können wir ohne Sorgen in Verl in die nächste Prüfung gehen: Wir sollen das Auto möglichst genau 2,50 Meter vor einen Torbogen fahren. Ohne zwischendurch zu stoppen, ganz schön knifflig. Bei 3,13 Metern bleiben wir stehen. Schade. Aber egal, der Weg ist das Ziel! Optimistisch geht es also weiter Richtung Hamm. Während der Fahrt schweifen die Gedanken ab. „Ein bisschen ist das wie reisen mit der Postkutsche“, vergleicht Peer, „vorher den Weg anschauen, Pausen einplanen, Ressourcen wiederherstellen.“ Wir entdecken also eine neue, alte Art zu reisen. Die Langsamkeit 2.0. Dafür sehen wir vieles, was uns auf dem schnellsten Weg über die Autobahn verborgen geblieben wäre. NRW ist wirklich schön.

Beinahe lautlos durch die Landschaft

Durch das Ruhrgebiet gelangen wir ins Rheinland und kommen abends in Düsseldorf an. Zum Glück gibt es am Flughafen genügend Ladesäulen, so dass sich der i3 über Nacht vollladen kann. „Für den Flughafenalltag sind Elektroautos ideal, weil hier die Reichweite nicht wirklich entscheidend ist“, meint Peer. „Interessant sind sie auch für Privatleute, wenn sie die Möglichkeit haben, zuhause oder auf der Arbeit eine Ladesäule zu benutzen, und zum Großteil Kurzstrecken fahren. Ein Austausch aller Autos mit Verbrennungsmotor gegen solche mit Elektroantrieb ist aber auch nicht die Lösung für die Verkehrsproblematik in den Städten. Da stünden wir nur leiser im Stau.“
 
Diese Stille, das fast lautlose Gleiten über die Straße, begleitet uns auch am nächsten Tag. In einer großen Schleife geht es über Wuppertal und das Bergische Land, Neuss und Bergheim schließlich Richtung Aachen. Es ist einfach ein gutes Gefühl, ohne stinkende Abgase oder Lärm von A nach B zu gelangen. Mehr und mehr finden wir Gefallen an der Elektromobilität. Durch Wertungsprüfungen wie rückwärts durch einen Parcours zu fahren oder blindes Einparken nur durch Kommandos des Beifahrers lernen wir den BMW besser kennen. Und er steht seinen spritfressenden Brüdern in nichts nach. „Mit ein wenig Planung und Zeit sind also auch lange Strecken mit reinem Elektroantrieb zu meistern“, lautet unser einstimmiges Fazit.

ELEKTROMOBILITÄT AM AIRPORT

Umweltschutz und die damit einhergehenden Bemühungen zur Reduzierung von CO2-Emmissionen sind dem Düsseldorfer Airport ein wichtiges Anliegen. Bis 2020 will er den CO2-Ausstoß pro Verkehrseinheit auf 2,55 Kilogramm CO2 senken. In dem Zuge hat er es sich zum Ziel gesetzt, rund 30 Fahrzeuge auf alternative Antriebe umzustellen. Mit den zehn BMW i3 und den vier e-Golfs ist dieses Ziel bereits zur Hälfte erreicht.

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