Pionierarbeit für sauberes Wasser

ERSTE GRUNDWASSERSANIERUNGSANLAGE IN BETRIEB

Sonderlich spektakulär sehen die großen grünen Behälter in dem Neubau nicht aus. Aber egal, sie dienen einem wichtigen Zweck. Denn durch die neue großtechnische Grundwassersanierungsanlage wird sichergestellt, dass aus dem Bereich des ehemaligen Feuerlöschübungsbeckens auf dem Flughafengelände kein PFT-belastetes Grundwasser mehr in Richtung Kaiserswerth abströmt. 

Gereinigtes Wasser
Veronika Bappert, Leiterin des Bereiches Nachbarschaftsdialog, Umwelt und Nachhaltigkeit am Airport, sowie Bauprojektleiter Marcus Denke überprüfen konzentriert die Anzeige auf dem Bildschirm. Sie sind zufrieden, sämtliche Werte sind gut. Drei Grundwasserförderbrunnen sind an die Reinigungsanlage angeschlossen. Der Reinigungsgrad der Filteranlage liegt bei nahezu 100 Prozent. Nach der Reinigung wird das geförderte Grundwasser in den nahegelegenen Kittelbach eingeleitet und damit wieder gesäubert dem Wasserhaushalt übergeben.

Grundlage für die neue Großanlage war eine Pilotanlage, in der bereits seit Januar 2014 an dieser Stelle verschiedene Reinigungsmethoden getestet wurden, um das Wasser möglichst umfassend von den Perfluorierten Tensiden, kurz PFT, zu reinigen. Mit Erfolg. „Es gibt hierfür bisher keine Verfahren ‚von der Stange'. Wir haben daher echte ‚Pionierarbeit‘ geleistet und sind bei der Grundlagenarbeit für das Reinigen von PFT-Belastungen deutschlandweit ganz vorne“, betont Dr. Ludger Dohm, Sprecher der Flughafengeschäftsführung. „Viele Fragen rund um dieses Thema werden derzeit noch von der Wissenschaft erforscht. Darum sind wir froh, ein erfolgreiches Filterverfahren gefunden zu haben, das jetzt in den Großanlagen zur Anwendung kommen kann. In den nächsten Monaten werden wir zwei weitere baugleiche Filteranlagen auf unserem Gelände errichten.“

BIS MÄRZ SIND DREI FILTERANLAGEN IN BETRIEB

Die bestmögliche Konfiguration der Filteranlage wurde im Testbetrieb schließlich gefunden. Das belastete Grundwasser durchläuft in der Anlage zunächst einen Kiesbett-Filter, der Eisen und andere Störstoffe ausfiltert. Ionenaustausch-Harze reinigen das Wasser bereits im zweiten Schritt vollständig von den lang- und kurzkettigen PFT. Die nachgelagerten Aktivkohle-Filter sorgen für weitere Sicherheit.

Das Umweltamt der Stadt Düsseldorf und der Airport sind damit auf einem guten Weg, das Grundwasser zu sanieren. Doch dies braucht seine Zeit. Sämtliche Maßnahmen am Flughafen werden in enger Abstimmung mit der städtischen Umweltbehörde durchgeführt. Hunderte Rammkernsondierungen wurden hierbei auf dem Flughafengelände durchgeführt und viele hundert Boden- und Grundwasserproben entnommen. Bis Ende März dieses Jahres ist die Inbetriebnahme von zwei weiteren vergleichbaren Anlagen geplant: eine zur hydraulischen Abschirmung der PFT-Verunreinigung an der Feuerwache Nord des Flughafens und eine im Bereich der Unfallstelle der Atlas Air von 2005 am westlichen Ende der Südbahn. Der Airport investiert rund zwei Millionen Euro in den Bau der Grundwassersanierungsanlagen.

Für sämtliche Maßnahmen sind jeweils aufwändige, standortspezifische Versuche erforderlich. „Wir haben das Thema von Anfang an sehr ernst genommen. Die hydraulische Abschirmung der PFT-Eintragsstellen ist ein erster wichtiger Meilenstein der Sanierung der Gesamtverunreinigung, dem weitere Schritte folgen werden“, so Dr. Ludger Dohm. Dazu gehört zum einen die Planung der Sanierung der Eintragsstellen auf dem Flughafengelände. Hierfür kommen unterschiedliche Verfahren in Betracht. Bei Teilsanierungen des Bodens am westlichen Ende der Südbahn sowie beim früheren Feuerlöschbecken wurden bereits rund 3.000 Kubikmeter belasteter Boden entfernt und ordnungsgemäß entsorgt. Zuvor wurde das frühere Feuerlöschbecken fachgerecht zurückgebaut und die PFT-belasteten Baustoffe ordnungsgemäß entsorgt.

200 GRUNDWASSERMESSSTELLEN WURDEN UNTERSUCHT

Zum anderen steht noch die Prüfung weiterer Maßnahmen zur Sanierung der Fahnen an, die in Federführung des Umweltamtes liegt. Bisher liegen allerdings auch hierfür bundesweit nur wenige Erfahrungen vor. Um die aktuelle Entwicklung der Verunreinigung zu erfassen, wurden im Oktober und November weitere rund 200 Grundwassermessstellen beprobt und untersucht. Die ausgewerteten Ergebnisse werden Anfang dieses Jahres vorliegen. Auf dieser Datengrundlage können dann bis Mitte 2016 weiteren Schritte zur Fahnensanierung geprüft werden. Im Anschluss daran wird über Pump- und Aufbereitungsversuche zur Ermittlung der Planungsgrundlagen entschieden.

FLUGHAFENFEUERWEHR NUTZTE ZUGELASSENE LÖSCHSCHÄUME

Die Verunreinigung stammt aus einer Zeit, als die Flughafenfeuerwehr bei ihren Löschübungen noch PFT-haltiges Feuerlöschmittel verwendete. Die verwendeten Schäume waren standardmäßige, marktübliche Produkte, die von den Behörden zugelassen waren und von allen Feuerwehren vor allem zur Bekämpfung von Flüssigkeitsbränden (z.B. Kerosin) verwendet wurden. Die negativen Eigenschaften von PFT waren damals noch nicht bekannt. Direkt nachdem die möglichen negativen Eigenschaften von PFT bekannt wurden, entschied die Flughafenfeuerwehr im Jahr 2007, derartige Produkte nicht mehr einzusetzen. Seitdem werden für den Ernstfall nur noch PFT-reduzierte Löschmittel vorgehalten. Übungen mit Löschschäumen finden seit 2007 ebenfalls nicht mehr statt. Darüber hinaus hat der Airport das ehemalige, seit 2007 nicht mehr genutzte Feuerlöschübungsbecken im Mai 2011 durch ein neues Funktionstestbecken ersetzt, das insbesondere unter Umwelt- und Sicherheitsaspekten dem neuesten Stand der Technik entspricht.

PFT-BELASTUNGEN MITTLERWEILE VERBREITET

Die Situation am Airport ist kein Einzelfall. Erstmals wurde das industriell hergestellte PFT in den 1970er Jahren in der Umwelt festgestellt. Mittlerweile sind PFT-Belastungen in Gewässern und Böden weitverbreitet. Von der Öffentlichkeit weitestgehend unbeobachtet. Erhöhte PFT-Konzentrationen kommen an sehr vielen Stellen innerhalb der zivilisierten Welt vor. PFT werden etwa von der Kleidungs-, Agro-, Pharma- und Chemieindustrie produziert, verkauft und eingesetzt. Nahezu alle kommunalen und Betriebs-Feuerwehren nutzten in der Vergangenheit auch für Löschübungen PFT-haltige Löschmittel. Der Düsseldorfer Airport hat die erste Großanlage zur Grundwassersanierung auf dem Flughafengelände erfolgreich in Betrieb genommen.

Ihre Meinung zum Artikel