Luftverkehr wird weiter wachsen

DIE PROGNOSEN VON AIRBUS UND BOEING BIS 2030

Eine der wichtigsten Veranstaltungen für die internationale Luftverkehrsbranche ist die Airshow im südenglischen Farnborough, die in diesem Jahr vom 11. bis zum 17. Juli stattfand. Auf besonderes Interesse stießen auch diesmal wieder die Marktprognosen von Boeing und Airbus. Ihre Botschaft Nr. 1: Die Welt braucht viele neue Flugzeuge, weil, so Botschaft Nr. 2: Der Luftverkehr bleibt eine Boombranche. 

Emirates A380
Auch in Europa, auch in Deutschland und ganz bestimmt auch in Düsseldorf. Andererseits soll die Anzahl der Flugpassagiere zwar weiterhin massiv steigen, doch dank des Einsatzes immer größerer Flugzeuge bleibt die Zahl der Bewegungen zumindest in Deutschland halbwegs stabil. 

Airbus geht in seinem „Global Market Forecast“ von einem Bedarf von mehr als 24.000 neuen Passagier- und rund 3.440 Frachtflugzeugen im Gesamtwert von 3,1 Billionen Dollar in den kommenden 20 Jahren aus. Als wichtigste Triebkräfte nennt das Unternehmen das Verkehrswachstum insbesondere in den Schwellenländern – und hier vor allem China und Indien –, den Ausbau der Streckennetze, die anhaltende Expansion des Low-Cost-Sektors, die wachsende Zahl großer Städte und Ballungszentren, der sogenannten Megacities, sowie die Ablösung älterer Flugzeuge. Die Zahl der Passagierflugzeuge ab 100 Sitze, so die Prognosen des Herstellers, wird sich bis dahin auf weltweit rund 28.000 erhöhen. Speziell mit Blick auf die erwarteten Zuwächse im asiatisch-pazifischen Raum geht Airbus von einem Bedarf von rund 1.700 „Supergroßflugzeugen“ in den Dimensionen eines A380 mit einem Platzangebot von über 400 Plätzen aus.

Ähnlich die Prognose von Boeing: Die Amerikaner erwarten für die kommenden 20 Jahre einen Bedarf von knapp 40.000 neuen Flugzeugen im Gesamtwert von sechs Billionen Dollar. Die größte Nachfrage sieht auch Boeing im Markt für sogenannte „Single-Aisle“-Flugzeuge. Gemeint sind damit Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge mit einem Gang, also beispielsweise die A320- und B737-Familie. Allein in diesem Segment rechnen die Amerikaner mit einem Bedarf von über 28.00 Flugzeugen.

IMMER MEHR WOLLEN FLIEGEN

Weltweit werden jährlich fast 3,3 Milliarden Personen befördert. Nach Angaben des Deutschen Instituts für Luft- und Raumfahrt (DLR) wurden im Jahr 2014 auf den vom DLR beobachteten Flughäfen etwa 33 Millionen Passagierflüge durchgeführt, davon etwa 7,6 Millionen in Europa. In Deutschland, so das Institut, soll die Zahl der Passagiere von 105 Millionen in 2014 bis zum Jahr 2030 auf rund 175 Millionen und die der Starts auf 1.070.000 ansteigen. Und noch eine Zahl: Das englische Marktforschungsinstitut Oxford Economics geht davon aus, dass in 20 Jahren weltweit etwa 8,5 Millionen Personen im Luftfahrtsektor beschäftigt und ein Bruttoinlandsprodukt von jährlich einer Billion Dollar erwirtschaften werden.

Wie soll dieses Wachstum bewältigt werden? Es wird immer voller am Himmel, viele Airports stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen, die Ölpreise werden langfristig weiter steigen und – insbesondere in Europa – die Forderungen nach einer besseren Umweltverträglichkeit des Luftverkehrs immer lauter. Das Zusammenspiel von effizienter Luftraumnutzung, dem bedarfsgerechten Ausbau besonders hochfrequentierter Flughäfen – zu denen auch der Düsseldorfer Flughafen gehört –, neuen An- und Abflugverfahren und Flugzeugen mit sowohl geringerem Kerosinverbrauch als auch höherer Passagierkapazität könnte sowohl die Kapazitätsengpässe der großen Flughäfen abmildern, als auch den CO2- und Schadgasausstoß senken.

LEICHTER MIT CARBON

Für die Industrie sind diese Szenarien natürlich alles andere als neu. Die Flugzeughersteller forschen mit großem Aufwand an alternativen Werkstoffen für den Flugzeugbau und setzen dabei zunehmend auf Kohlefaserverbundwerkstoffe. Die sind nicht nur korrosionsbeständiger und ermüdungsfreier, sondern vor allem deutlich leichter als das gute alte Aluminium. Wobei Carbon nicht nur Gewichtsvorteile bietet, sondern aufgrund seiner höheren Festigkeit auch neue Möglichkeiten für den Kabinenbau, beispielsweise durch erheblich größere Fenster als bisher.

Ein weiteres Forschungsfeld ist der Treibstoff. Versuche mit Biosprit, beispielsweise auf Soja- oder Algenbasis, sind nicht wirklich die Lösung: Einer Berechnung von Boeing zufolge müsste man ganz Europa mit Soja bepflanzen, wenn man den weltweiten Kerosinbedarf nur mit Biotreibstoff decken wollte. Und wenn es Algen sein sollen, bräuchte man dafür ein Wasserbecken von der Größe Belgiens. Dass auch Solarenergie eine interessante Antriebsoption ist, zeigt das Solar-Flugzeugprojekt Solar Impulse der beiden Schweizer Wissenschaftler Bertrand Piccard und André Borschberg. Ende Juli beendeten die beiden sogar eine solargetriebene Weltumrundung. Zwar erreicht das knapp 64 Meter breite und knapp 22 Meter lange, von vier Elektromotoren angetriebene Flugzeug eine Durchschnittsgeschwindigkeit von nur 70 Stundenkilometern und eine maximale Flughöhe von 8.500 Metern, beweist aber eindrucksvoll, welche Perspektiven auch jetzt schon Solarbeschichtungen auf Rumpf und Flügeloberflächen für den Flugzeugbau bieten.

Völlig neue Perspektiven eröffnen sich mit neuen Designs, mit denen sowohl der  Kerosinverbrauch als auch die Passagierkapazität erhöht werden sollen. Hier haben die großen Hersteller faszinierende Konzepte in der Schublade. Bis die aber tatsächlich zum Einsatz kommen, wird es noch dauern, immerhin ist so ein Flugzeug eine Multi-Millionen-Investition mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 20 bis 30 Jahren.

Ihre Meinung zum Artikel

Keine neue Geschichte verpassen!

Gerne benachrichtigen wir Sie per E-Mail, sobald ein neuer Artikel auf dusmomente.com erscheint.

Unter allen Neuanmeldungen verlosen wir eine Airport-Tour für zwei Personen.

Bitte melden Sie sich hier an:

Gefällt Ihnen der Artikel?

Ihre Meinung interessiert uns.

Leserbrief schreiben