Herzlich willkommen?

GEDANKEN ZU MOBILITÄT, AUTOVERKEHR UND FLUGHAFEN

Das hat mir gerade noch gefehlt. Mein Heimweg führt mich über die volle Autobahn. Der Verkehr stockt. Der rechte Fahrstreifen ist zwar frei, aber komplett abgesperrt. Für mich aus unersichtlichen Gründen. Aktuell passiert hier nichts. Ausgerechnet zum Feierabend. Und alle wollen nach Hause. Auf der linken Spur knubbelt es sich. Wie großartig wäre es jetzt, wenn man auch die zweite Fahrbahn nutzen könnte? In genau dieser Sekunde bringen sie im Radio einen Beitrag über unseren Düsseldorfer Flughafen. Was für ein Zufall.

Stau auf der Autobahn
Flexibler möchte man hier sein bestehendes Start- und Landebahnsystem nutzen, sagt der Moderator. Mehr Kapazität will man tagsüber in den Spitzenstunden haben. Wieso gerade dann? Diese Zeiten sind von den Airlines wegen ihrer Umlaufplanungen so begehrt. Während ich hier so im Stau stehe, gerate ich ins Grübeln. Ich ziehe Vergleiche. Okay. So ganz ist die Autobahn mit einem Luftverkehrsdrehkreuz natürlich nicht zu vergleichen. Aber beides sind immerhin Infrastruktureinrichtungen. Zusammen gelten beide als Rückgrat der Volkswirtschaft. Als Garant für den Wohlstand. Klar. Beide Verkehre machen auch ihren Lärm – aber heutzutage braucht man sie halt, wenn man mobil sein möchte. Und auf beiden gibt es im täglichen Betrieb gewisse Stoßzeiten. Ist es dann nicht sinnvoll, die Kapazität auch jeweils auf genau diese Spitzen auszurichten? Auf der Schnellstraße meist umständlich. Am Airport ohne großen Bauaufwand. Ohne hohe Kosten für die Allgemeinheit.

Der Radiobeitrag läuft weiter. In Gedanken übertrage ich einige der soeben genannten Argumente gegen das Vorhaben des Flughafens auf das, was ich momentan sehe: die Straße. Ist das überhaupt denkbar? Der starke Verkehr im Ballungsgebiet zwischen den Autobahnkreuzen ist ähnlich wie zwischen großen Luftverkehrsdrehkreuzen. Ich stelle mir zum Beispiel folgende Überschriften vor: „Auf der Autobahn von Düsseldorf nach Köln darf zwischen 6:00 Uhr morgens und 23:00 Uhr abends nur noch eine bestimmte Anzahl an Autos fahren! Alle anderen müssen umgeleitet werden.“

Komischer Gedanke. Oder so: „Die Auffahrt auf die Fernstraße wird künftig ganztägig überall künstlich gedeckelt! Wer es nicht draufgeschafft hat, soll woanders herfahren.“ Hmm. Oder diese Schlagzeile: „Die zweite Spur der Autobahn kann künftig problemlos mittags eine Stunde mitgenutzt werden.“ Wem hilft dies bitte morgens auf dem Weg zur Arbeit oder nachmittags nach Hause? Ebenfalls seltsam. Spontan hätte ich auch nur wenig Lust darauf, mir mein eigentliches Ziel von irgendwem abändern zu lassen und jetzt nicht zu meiner Familie, sondern lieber irgendwo an den Niederrhein fahren zu sollen. Irgendwie auch keine Lösung.

All diese Varianten sollen aber im internationalen Luftverkehr greifen? Zweifelhaft. Alle wollen heutzutage mobil sein – und zwar weltweit. Alle sind immer öfter unterwegs. Aus genau diesem Grund geht es letztlich doch immer darum, wie man bestehende Infrastruktur am sinnvollsten nutzen kann. Und natürlich hat jeder Verkehrsträger dabei seine ganz eigenen, speziellen Herausforderungen. Naja.

Die Autos vor mir fahren langsam wieder an. Es geht weiter und ich denke noch: „Auch wenn dieser Vergleich auf den ersten Blick außergewöhnlich erscheint, so ganz von der Hand zu weisen, ist er nicht.“

MEHR KAPAZITÄT – WAS DER FLUGHAFEN GENAU MÖCHTE

Der Düsseldorfer Flughafen hat beim NRW-Verkehrsministerium einen Antrag auf Kapazitätserweiterung gestellt. Im Klartext bedeutet das, dass mehr Verkehr stattfinden kann, aber auch eine flexiblere Nutzung der beiden Start- und Landebahnen möglich wird.

Bislang ist die Anzahl der Starts und Landungen in den Spitzenstunden auf 47 beschränkt. Der Airport möchte, dass maximal 60 Flugbewegungen pro Stunde stattfinden können. Dazu ist kein Ausbau nötig, alle Maßnahmen finden „innerhalb des Flughafenzauns“ statt.

Eine flexiblere Bahnnutzung kann zu weniger Bewegungen in den Rand- und Nachtstunden führen. Derzeit bauen sich durch die starren Nutzungsregeln der Nordbahn teilweise Verspätungen auf, die erst zum Ende der Betriebszeit abgebaut werden können.

Die Nachtflugregelungen, die zum Schutz der Anwohner getroffen wurden bleiben unverändert, ebenso wie die Betriebszeiten des Airports. Die geplante Kapazitätserweiterung verschlingt keine öffentlichen Gelder. Durch effizientere Nutzungsmöglichkeiten verbessert sich das Infrastrukturangebot in NRW entscheidend.

Karikatur klein

Gar nicht so einfach nach Hause zu kommen...

Diese Karikatur verdeutlicht die Engpässe im modernen Luftverkehr.

Zeichnung in neuem Fenster öffnen
Ihre Meinung zum Artikel

Keine neue Geschichte verpassen!

Gerne benachrichtigen wir Sie per E-Mail, sobald ein neuer Artikel auf dusmomente.com erscheint.

Unter allen Neuanmeldungen verlosen wir eine Airport-Tour für zwei Personen.

Bitte melden Sie sich hier an:

Gefällt Ihnen der Artikel?

Ihre Meinung interessiert uns.

Leserbrief schreiben