Sieben Minuten Zukunft

DER SKYTRAIN FÄHRT AUTONOM

Fernbahnhof Düsseldorf Flughafen, samstagmorgens 7:21 Uhr: Der Traum vom Fliegen beginnt für viele kleine Passagiere am Airport oft schon Stunden vor dem Abflug. Denn bevor das Flugzeug Richtung Urlaub abhebt, geht es im SkyTrain bis zu 20 Meter über der Erde Richtung Terminal.

SkyTrain
Sieben Minuten dauert die kürzeste Kurzstrecke am Düsseldorfer Flughafen, aber der „Zug am Himmel“ übt nicht nur auf Kinder und Jugendliche, sondern auch auf viele Erwachsene eine große Faszination aus. Das liegt daran, dass der SkyTrain die insgesamt 2,5 Kilometer lange Strecke vollautomatisch zurücklegt. Das laut Fachjargon „automatische Nahverkehrssystem“ pendelt ohne Fahrer oder Begleiter mit 50 km/h zwischen Bahnhof und Terminal C und fährt damit vollkommen autonom.

ALS ERSTER VERNETZT

Geplant wurde der SkyTrain in den 90er-Jahren, um für die Fluggäste einen direkten und komfortablen Anschluss an die Bahn zu gewährleisten. Bei seiner Inbetriebnahme am 1. Juli 2002 war der SkyTrain dann auch die erste von einem Flughafen betriebene Bahn, die an den Nahverkehr angeschlossen war. Der Düsseldorfer Airport war damit bereits vor 17 Jahren ein Vorreiter bei der sogenannten Intermodalität – also der Vernetzung unterschiedlicher Verkehrsträger. Seitdem hat das System circa 100 Millionen Passagiere transportiert.

HIER SCHLÄGT DAS HERZ DES SKYTRAINS

In der Mitte der Strecke liegt der Betriebshof. Hier schlägt das Herz des SkyTrains. In der Leitwarte überwacht der Fahrdienstleiter, der sogenannte Operator, auf insgesamt 18 Bildschirmen die Haltestellen und den Fahrtweg. Er steuert sämtliche Prozesse, kann in das Fahrgeschehen eingreifen, Türen öffnen und schließen, Fahrzeuge manuell bewegen oder Fahrgäste über Lautsprecher informieren. Zwei weitere Monitore kann der Fahrdienstleiter nach Bedarf belegen, mit der Kamera näher zoomen und so genau erkennen, was wo konkret passiert. „Ob nur ein Koffer zwischen einer Tür klemmt oder ob eine Funktionsstörung vorliegt, kann ich sofort feststellen. Dann mache ich entweder eine Durchsage oder leite Maßnahmen zur Entstörung ein“, sagt Alexander Schäfer, einer von 13 Fahrdienstleitern, die an 365 Tagen rund um die Uhr im Einsatz sind.

Kommt es zu einer Fahrzeugstörung, so dass die Bahn nicht mehr fahrtüchtig ist, muss der Fahrdienstleiter das Problem innerhalb von fünf Minuten aus der Leitstelle beheben. Danach wird ein Ersatzverkehr eingerichtet und die Passagiere werden in Pendelbussen zwischen Bahnhof und Terminal befördert. Währenddessen dockt ein weiteres Fahrzeug an die gestörte Bahn an und holt sie zurück in den Betriebshof. Der reguläre Betrieb kann dann wieder aufgenommen werden. „Solche Störungen sind allerdings eher ein Ausnahmefall“, erklärt Uwe Groß, stellvertretender Betriebsleiter des SkyTrains.

„Der Hauptteil der Arbeit in der Leitwarte besteht aus der Verkehrssteuerung. Der Fahrdienstleiter erkennt am Monitor die Verkehrsspitzen und überführt bei Bedarf eine weitere Bahn ins System. Die Passagiere warten durchschnittlich drei Minuten“, führt Groß die Vorteile der Fahrzeugsteuerung aus. Der SkyTrain hat daher auch keinen klassischen Fahrplan, sondern wird nach Passagieraufkommen gesteuert. Stichwort „Einschleusen“: Der Betriebshof ist auch die Übergabestation im System, denn hier schleust der Fahrdienstleiter den SkyTrain in den Betrieb ein oder überführt ihn in die Werkstatt.

TRADITIONELLE HANDARBEIT

40 Mitarbeiter sind in der Werkstatt beschäftigt – inklusive der Fahrdienstleiter, die je nach Dienstplan in der Leitwarte oder in der Werkstatt eingeteilt sind. Hier wird an den meisten Stellen noch ganz traditionell „mit der Hand“ gearbeitet. Die sechs Bahnen werden turnusmäßig alle 2.000 Kilometer gewartet. „Über mangelnde Arbeit können sich die Kollegen nicht beschweren, denn diese Strecke legt eine Bahn in ungefähr sieben Tagen zurück“, erklärt Uwe Groß augenzwinkernd. „Jedes Fahrzeug ist also einmal pro Woche in der Inspektion“, beschreibt Groß.

Über das Tor zum Betriebshof fährt der SkyTrain in die Schiebebühne, die das Fahrzeug quer in der Werkstatt verschiebt. Strom kommt in der Halle über ein Kabel, die sogenannte „Nabelschnur“, direkt aus der Steckdose. Die Techniker überprüfen unter anderem Bremsbelege, Alufelgen und Gummimanschetten an den Rädern, den Stromabnehmer und die Druckluftanlage. Die optische Kontrolle am Fahrwerk ist ebenfalls Bestandteil der Basiswartung.

Auch Reparaturen und Instandsetzungen fallen regelmäßig in der Werkstatt an: Lose Sitze werden wieder befestigt, die Leuchten innen und außen erneuert. Einmal pro Jahr werden die Tragräder ausgetauscht. „Damit der vollautomatische Betrieb reibungslos läuft, verfolgen die Kollegen hinter den Kulissen einen genauen Plan und achten bei den Wartungsarbeiten auf jedes Detail“, betont Uwe Groß. Auch in puncto Sauberkeit ist an alles gedacht: Einmal täglich wird die Bahn von innen gereinigt, einmal pro Monat steht sogar die Fahrt durch die Waschstraße auf dem Programm. Und dann geht es blitzblank und top gewartet zurück auf die nächsten 2.000 Kilometer.

SKYTRAIN FAKTEN

  • 6 Züge mit je 2 festgekuppelten Kabinen, 1 Sonderfahrzeug
  • Höchstgeschwindigkeit 50 km/h
  • Fahrerloser Betrieb
  • Rund 2,5 Kilometer Streckenlänge, doppelgleisig
  • Stationen am Bahnhof, Parkhaus 4, Terminal A/B, Terminal C
  • Beförderungskapazität rund 2.000 Fahrgäste pro Stunde und Richtung
  • Circa 90 Fahrgäste pro Zug
  • Inbetriebnahme im Juli 2002

Ihre Meinung zum Artikel

Keine neue Geschichte verpassen!

Gerne benachrichtigen wir Sie per E-Mail, sobald ein neuer Artikel auf dusmomente.com erscheint.

Bitte melden Sie sich hier an:

Gefällt Ihnen der Artikel?

Ihre Meinung interessiert uns.

Leserbrief schreiben