MotorsÄge, Leim & Co

STEFAN REINSCHMIDT UND SEIN TEAM SORTIEREN, WAS NICHT MIT AN BORD DARF

Wer kennt es nicht: An der Handgepäckkontrolle fällt einem die halbvolle Wasserflasche im Rucksack ein oder die Sonnenmilch, die man schnell noch beim Blick auf die Wetterprognose am Zielort gekauft hat. Schade nur, dass diese Dinge nicht mit in den Flieger dürfen. Denn seit November 2006 gilt eine EU-Sicherheitsvorschrift, die verbietet, dass Flüssigkeiten in Mengen über 100 Milliliter im Handgepäck mitfliegen dürfen. Also bleiben Wasser und Sonnenmilch in Düsseldorf, während der Passagier gen Sonne entschwindet. 

Unerlaubte Produkte Hangepäck
Es dauert nicht lange, dann werden die schwarzen Tonnen an den Sicherheitskontrollen von Stefan Reinschmidt und seinem Team abgeholt. Denn die Konfiskate, jene Gegenstände also, die gegen die Sicherheitsvorschriften verstoßen und deshalb einbehalten werden, können einem anderen Menschen noch nützlich sein. Täglich sortieren die Mitarbeiter des Recyclinghofs am Flughafen zig Tonnen davon. Der Müll wird getrennt und entsorgt. Was ungeöffnet und unverderblich ist, wird gespendet. Bedürftige freuen sich über Duschgel, Rasierschaum und Zahnpasta. Manchmal ist auch etwas Kurioses dabei.

20 Tonnen im Monat

 „Im Durchschnitt entsorgen wir monatlich etwa 20 Tonnen, in den großen Ferien werden es sicherlich bis zu 36 Tonnen pro Monat “, sagt Stefan Reinschmidt. Er koordiniert die Arbeit der Jugendberufshilfe (JBH) am Airport. Diese hat seit März 2017 das Abräumen der Konfiskate an den Hand- und Sperrgepäckkontrollen, den Zollboxen und das Einsammeln von Flüssigkeiten aus dem Handgepäck übernommen. Fünfmal am Tag rücken seine Mitarbeiter und er aus und bringen die Gegenstände zum Recyclinghof des Flughafens, wo sie per Hand sortiert werden.

Einen Großteil ihrer Arbeit machen die unzähligen Getränkeflaschen aus. „Geöffnete Flaschen werden geleert, der Inhalt ordnungsgemäß entsorgt und die leeren Behälter in großen Säcken gesammelt“, erklärt der 54-Jährige. Das Pfand spendet der Flughafen an gemeinnützige Organisationen aus der Region. Und da kommt schnell eine größere Summe zusammen: Etwa 70.000 Euro im Jahr allein aus den Pfandflaschen an den Handgepäckkontrollen. „Auf unseren Rundgängen merken wir genau, welche Flieger gerade rausgegangen sind“, erzählt Reinschmidt. „Auf Flügen, die großteils Geschäftsleute nutzen, fallen deutlich weniger Konfiskate an, als auf Strecken zu den Touristendestinationen.“

Hätten Sie das gewusst?

Vielen Passagieren sind die strengen Regeln nicht geläufig, weiß auch Rainer Hindenburg, Leiter Zentrale Dienste am Flughafen, und nennt auch gleich ein Beispiel: „Nutella ist der Klassiker. Das nehmen Familien gerne mit in den Urlaub, weil es woanders vielleicht nicht so gut schmeckt oder teurer ist. Aber im Handgepäck darf es leider nicht mitfliegen.“ Täglich werden also unzählige Gläser des Brotaufstrichs auf dem Recyclinghof sortiert. Übrigens auch Erdnussbutter oder Trinkpäckchen. Manchmal findet sich auch Kinderspielzeug wie Knete oder Seifenblasen in den Konfiskattonnen, denn auch diese zählen eben zu den Flüssigkeiten. Hindenburg rät deswegen, sich vor dem Abflug genau über die Bestimmungen zu informieren und im Zweifel bei der Bundespolizei nachzufragen, wie beispielsweise Babynahrung mitgenommen werden darf.
 
Es gibt auch kuriose Konfiskate, die einen schmunzeln lassen: Ob Malfarbe, Lacke oder Gaskartuschen für Sahneaufbereiter – alles keine seltenen Dinge, die Passagiere im Handgepäck dabei haben. Auch WC-Reiniger ist den JBHMitarbeitern schon untergekommen. Fast monatlich haben sie eine Kettensäge zu entsorgen. „Weder der Flughafen noch wir bereichern uns an den Konfiskaten“, stellt Reinschmidt klar. Organisationen wie die Düsseldorfer Tafel, die Diakonie oder die Armen Brüder freuen sich über die Sachen. „Neulich konnten wir sogar eine Dose Kaviar überreichen, da war die Freude besonders groß.“

FLÜSSIGKEITEN IM HANDGEPÄCK

Aus Sicherheitsgründen dürfen Passagiere von Flughäfen in der EU nur noch geringe Flüssigkeitsmengen mit an Bord eines Flugzeugs nehmen. Diese müssen in Behältnissen mit einem Fassungsvermögen von jeweils bis zu 100 Millilitern in einem durchsichtigen, wieder verschließbaren 1-Liter-Kunststoffbeutel verpackt sein. Pro Fluggast ist die Mitnahme von einem 1-Liter-Beutel erlaubt. Alle anderen Flüssigkeiten müssen im aufzugebenden Gepäck transportiert werden. Für Duty-free-Einkäufe gelten besondere Bestimmungen. 

an der Sicherheitskontrolle

Hangepäckkontrolle

Die Bundespolizei informiert auf ihrer Webseite umfangreich über das Thema Handgepäck.

bundespolizei.de
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