Lachs an Bord

LUFTFRACHT IN DÜSSELDORF

Essen Sie gerne Sushi? Mit frischem Lachs? Die meisten Japaner auch. Klar, möchte man da sagen. Japan, Fischfangnation, Erfinder des Sushis. Logisch, dass da auch jede Menge Lachs auf dem Reis landet. Doch Halt! So logisch nicht. Denn zum einen mussten sich die Japaner erst von den Norwegern überreden lassen, den eigentlich zu mageren Lachs überhaupt für Sushi zu verwenden. Zum anderen kommt ein Großteil von dem Lachs, der in Japan verspeist wird, aus ... Düsseldorf. Düsseldorf? Na ja, eigentlich natürlich frisch aus dem Atlantik. Genauer gesagt aus Norwegen. Geflogen wird aber „ex DUS“.

Cargo Handling
„Bis zu 20 Tonnen Lachs auf einmal landen im Bauch der täglichen ANA-Maschine von Düsseldorf nach Tokio“, weiß Uwe Lascheit, Betriebsleiter Warehouse bei der Flughafen Düsseldorf Cargo GmbH (FDCG). 20.000 Kilo also! Angeliefert mit LKW und Fähre aus Norwegen. Von Düsseldorf aus macht sich der frische Fisch an sieben Tagen die Woche als sogenannte Beiladefracht im Bauch eines Passagierfluges auf den rund elfstündigen Flug in die japanische Hauptstadt – um dann zum Beispiel auf dem Fischmarkt Tsukiji in Tokio weiterverkauft zu werden.

hochwertige Waren

„Gerade bei verderblichen Lebensmitteln werden die Vorteile von Luftfracht deutlich“, erklärt der 60-jährige gebürtige Essener Lascheit. „Luftfracht ist und bleibt die schnellste Versandart. Außerdem sind die Lieferzeiten sehr verlässlich. Man erreicht in der Regel selbst die entlegensten Flecken der Erde. Und: Das Sicherheitslevel ist extrem hoch. Diebstahl und Beschädigung kommen so gut wie nicht vor.“ Vor allem das minimale Sicherheitsrisiko erklärt dann auch die folgenden Zahlen: Laut dem Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, BDL, betrug der durchschnittliche Wert pro Tonne Fracht 2015 auf der Schiene 1.166 Euro. Zum Vergleich: auf dem Wasser 1.978 Euro, auf der Straße 2.820 Euro und in der Luft 81.114 Euro!

Auch wenn nur rund zwei Prozent der nach Deutschland importierten bzw. aus Deutschland exportieren Waren per Flugzeug transportiert werden: Der Wertanteil der Luftfracht am Frachtvolumen aller Verkehrsträger macht rund 40 Prozent aus. „Mit dem Flugzeug wird also vor allem zeitsensible, schnell verderbliche oder teure Fracht verschickt“, so Lascheit. „Delikatessen wie der norwegische Lachs, gerade zur kalten Jahreszeit viele Blumen, Medikamente und andere temperaturempfindliche pharmazeutische Produkte, Transplantationsorgane, Smartphones, Bau- oder Autoersatzteile.“

Von 200 Gramm bis zu 125 Tonnen

„Erinnerst Du Dich noch an die WM 2010 in Südafrika?“, fragt da sein Kollege Uwe Heinz, Betriebsleiter Dokumentenhandling. „Damals wurden hier riesige Bauteile für die Stadien bewegt. Mit dem Schwerlaster ging es direkt bis ran an die Frachtmaschine. Mit Hilfe von gleich zwei Hebebühnen wurde das Bauteil dann vorne in die Schnauze des Flugzeuges geladen.“ Lascheit lacht: „Ja, wir haben hier wirklich schon so einiges verladen. Egal ob Elefanten und Nilpferde, die für den Duisburger Zoo hier ankamen, oder die Druckplatten, als damals der Euro eingeführt wurde.“ Die kleinsten Teile wiegen dabei 200 Gramm, die schwersten auch schon mal 125 Tonnen. Das ist dann allerdings eher die Ausnahme. Denn normalerweise werden hier insgesamt jährlich rund 110.000 Tonnen Fracht umgeschlagen. Der Großteil davon, wie der Atlantiklachs, als Beiladefracht im „Belly“, also Bauch eines Passagierflugzeuges.

Faktor Sicherheit

„Sicherheit ist dabei, wie gesagt, das A und O“, unterstreicht der gelernte Speditionskaufmann Heinz, der seit 2001 für die FDCG im Einsatz ist. „Egal ob Gummibärchen, Kunstgegenstände oder Bullensperma – was hier in Luftfracht umgewandelt wird, wird strengstens kontrolliert. Mit Hilfe von Röntgengeräten, Explosive Trace Detection Equipment, also Sprengstoffspurendetektoren, und speziell ausgebildeten Sprengstoffspürhunden.“ Letztere kommen aus Holland und Belgien und stehen bei einer externen Sicherheitsfirma im Dienst. Montags bis freitags schnuppern sie, was das Zeug hält. Jeweils zwischen 12 und 15 Uhr.

„Die anderen Cargomitarbeiter haben deutlich längere Arbeitszeiten“, scherzt der 55-jährige Düsseldorfer Heinz. „Denn auch wenn wir hier in Düsseldorf ein Nachtflugverbot haben: Die Fracht schläft nicht. Wir sind 24/7 für unsere Kunden da. Also rund um die Uhr, an sieben Tagen die Woche.“

Exakte Zeitplanung

„Aber nochmal zurück zum Fisch“, schaltet sich Lascheit wieder ein. „Der Lachs ist ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig der Faktor Zeit für uns ist. Bei frischen Lebensmitteln, Organen oder Human Remains, also Leichen, geht es darum, dass sie ihren Zielort schnellstmöglich erreichen.“  Zwei, höchstens drei Stunden: So viel oder, besser gesagt, wenig Zeit steht den Mitarbeitern in der Regel für Exporte zur Verfügung. Von der Anlieferung durch den Spediteur über das Röntgen, Wiegen und Bauen der Paletten oder Verstauen in Containern bis hin zur Verladung ins Flugzeug. Auch für Importe, die in Düsseldorf ankommen, bleiben maximal drei Stunden von der Landung bis zur Übergabe an den Spediteur.

„Damit das klappt, muss alles minutiös ineinander greifen“, weiß Heinz. „Wenn mit der Dokumentation etwas nicht stimmt, steht die Halle. Und wenn hier in der Halle irgendetwas nicht läuft, steht die Dokumentation.“ Manchmal hat man es aber selbst nicht in der Hand. Wie 2010, als der Vulkan Eyjafjallajökull auf Island eine Aschewolke in die Luft blies – und so über Tage hinweg den Luftverkehr zum Erliegen brachte. Auf dem Tokioter Fischmarkt Tsukiji wurde daraufhin der Lachs knapp.

„Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Bedeutung von Luftfracht häufig unterschätzt wird“, sind sich die beiden Uwes, die sich seit 17 Jahren ein Büro teilen, einig. „Denn nicht nur, wer Sonntagmorgens gemütlich vom Bett aus etwas online in den USA bestellt, nutzt Luftfracht. Auch wer auf dem Wochenmarkt frischen Fisch oder Schnittblumen holt, kauft im Zweifel Produkte, die mit dem Flugzeug ankamen. Genauso wie alle, die im Shop die Klamotten eines deutschen Modekonzerns anprobieren oder bei einer großen Elektrohandelskette britische Staubsauger kaufen. Luftfracht begegnet uns tagtäglich. Überall. Auch wenn wir gerade nicht online sind.“

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