Hoch hinaus

Rainer Porsch und seine Frau Beate klettern in 20 Metern Höhe an der Fassade von Parkhaus 2 am Düsseldorfer Flughafen herum. Gut gesichert und ganz legal. Die beiden sind Industriekletterer und im Auftrag des Airports unterwegs. Sie montieren Werbeplakate in luftiger Höhe.

Ein ungewöhnlicher Beruf, der aber immer mehr nachgefragt wird. Etwa 1.000 professionelle Industriekletterer gibt es inzwischen in Deutschland. Und sie haben gut zu tun. Es werden immer mehr Werbeplakate an Gebäude und Gerüste gehängt. Die Anbringung und das Auswechseln übernehmen dann Spezialisten wie Porsch.
Der 53jährige ist gelernter Karosserie- und Fahrzeugbauer. 1995 beschloss er seine Leidenschaft für das Klettern zum Beruf zu machen und absolvierte eine Ausbildung zum Höhenarbeiter, wie das Berufsbild damals noch hieß. Zusammen mit seiner Frau machte er sich selbstständig. Seit 1998 klettern die beiden am Düsseldorfer Flughafen.


Cathay Pacific-Flieger fast so groß wie das Original oder eine Flasche Bitburger in Überlebensgröße: 120 Quadratmeter Fläche bieten die auffälligen Skyposter, die an den Parkhäusern 2 und 3 hängen. Von allein kommen die riesigen Plakate allerdings nicht dorthin. Einen Kran aufzustellen wäre zwar eine mögliche Lösung, aber der würde im Vorfahrtbereich auf der Straße zum Terminal sehr stören. Ein Fall für professionelle Industriekletterer wie Rainer Porsch. Zusammen mit seiner Frau ist er am Düsseldorfer Airport und wechselt die Werbeposter aus. Monat für Monat, die Motive werden regelmäßig getauscht.

Den Begriff „Klettern“ verwendet Porsch dabei selten, er spricht lieber von seilunterstützten Arbeitstechniken. Das kleine Familienunternehmen aus Essen hat sich auf solche Einsätze spezialisiert. Die Plakate für die Parkhäuser werden von einer Agentur am Airport angeliefert. Zwischen 35 und 45 Kilo wiegt solch ein Werbemittel. Porsch faltet das Plakat am Boden selbst zusammen, genauso wie er es später in luftiger Höhe braucht. Anschließend wird das Poster mit Seilen hochgezogen und von oben nach unten entfaltet. Dabei arbeiten immer zwei Kletterer zusammen. Wenn möglich arbeitet er mit seiner Frau Beate zusammen. Nach zwei Stunden hängt das Plakat.

Beide haben die Ausbildung zum Industriekletterer absolviert. Dabei werden neben vielen anderen Aspekten Kenntnisse in der Knotenkunde, rechtliche Vorschriften für das Arbeiten in Höhen und detaillierte Kenntnisse über Ausrüstung und Material vermittelt. Außerdem müssen alle Höhenarbeiter Rettungstechniken beherrschen um sich selbst, aber auch den Mitarbeiter aus einer Zwangslage befreien zu können. Zudem muss jeder einen Lehrgang als Ersthelfer absolviert haben. Körperliche Fitness und keine Angst vor Höhen sind unbedingte Voraussetzungen für diesen Job. Die Porschs haben anfangs in geringen Höhen zwischen zwei und fünf Metern gearbeitet und sich dann langsam gesteigert. Passiert ist bislang keinem der Beiden etwas, obwohl es zu gefährlichen Situationen kommen kann. Besonders wenn es plötzlich windig wird und die Kletterer mit großen Flächen, wie im Falle der Skyposter arbeiten.

Ausbildung zum Industriekletterer

Industriekletterer ist kein geschützter Beruf. Deshalb sollte man vorab am Besten bereits eine handwerkliche Ausbildung absolviert haben.

Infos der Arbeitsagentur
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