Geradlinig

FLIGHT CALIBRATION SERVICES ÜBERPRÜFT DAS INSTRUMENTENLANDESYSTEM

DUSmomente begleitete die Braunschweiger Firma „FCS Flight Calibration Services“ bei einer Flugvermessung am Düsseldorfer Airport.

Beech King Air 350
Mehrmals im Jahr taucht am Düsseldorfer Airport eine Maschine auf, die mit ihrer knallorangefarbenen Bemalung für viel Aufmerksamkeit auf dem Vorfeld sorgt. Zwischen den „üblichen Verdächtigen“ aus Urlaubs- und Linienairlines sticht die Signalfarbe der Beech King Air 350 sofort ins Auge. Und wenn sie dann zu ihren spektakulären „Rundflügen“ abhebt, sind ihr die neugierigen Blicke der Zuschauer auf der Flughafenterrasse gewiss.

AUFSEHENERREGENDE MANÖVER

Das Flugzeug mit den zwei Propellern setzt heute aus Osten kommend insgesamt 14 Mal zur Landung an und dreht kurz vor dem Aufsetzen in einer steilen Rechtskurve spektakulär wieder ab. Jedes Landemanöver sieht aus wie ein missglückter Versuch. Ist es aber nicht, sondern Anflug und Abdrehen sind durchaus gewollt. Mit der Beech wird das Instrumentenlandesystem (ILS) des Flughafens überprüft. Beim Anflug zeichnet ein Flugvermessungssystem an Bord eine Fülle von Daten auf, deren Genauigkeit für die Piloten von großer Bedeutung sind.

Die Firma „FCS Flight Calibration Services“ aus Braunschweig hat uns zu einer Flugvermessung eingeladen, bei der wir das sogenannte Kalibrieren der Systeme miterleben können. Eins vorweg: An Bord selbst passiert nichts wirklich Spektakuläres. Zwei Piloten steuern die Maschine und ein Flight Inspector sitzt vor einem Computerterminal mit zwei Monitoren und zeichnet Daten auf. Die Resultate der empfangenen und berechneten Daten werden im Flugvermessungssystem zur Anzeige gebracht. Für den Laien sind es Linien und Kurven.

DEM UNSICHTBAREN FOLGEN

Die heutige Crew besteht aus Kapitän Gerald Eiser und Kopilot Maximilian Domann. Das eigentliche Messprogramm wird jedoch vom Flugmessingenieur Volker Logemann bestimmt. Im Auftrag der Deutschen Flugsicherung (DFS) überprüft die FCS heute das ILS der Südbahn und zwar in Anflugrichtung aus Osten.

Der Düsseldorfer Flughafen verfügt über zwei Start- und Landebahnen, die je nach Windrichtung von beiden Seiten angeflogen werden können. Landungen bei schlechter Sicht sind nur durch das ILS, oder durch neue, GPS-basierte Präzisionslandeverfahren möglich. Das ILS setzt die Maschinen auf einen unsichtbaren Führungsstrahl, der sie im richtigen Winkel sicher zum Aufsetzpunkt führt. Das erfolgt mit zwei Sendern und Antennen an der Landepiste, die je eine vertikale und horizontale Signalebene ausstrahlen. Die beiden unsichtbaren Ebenen schneiden sich in einer Geraden, welche auf den optimalen Aufsetzpunkt zuführt.

Alle für den Instrumentenflug zugelassenen Flugzeuge haben Empfänger an Bord, die auf ihrer Anzeige die Position des Flugzeugs bezüglich dieser Schnittgeraden anzeigt. Der Pilot sorgt von Hand bzw. der Autopilot automatisch dafür, dass das Flugzeug bis kurz vor dem Aufsetzen immer optimal diesem Führungssignal folgt. Abends, wenn die Landescheinwerfer der Flugzeuge weithin sichtbar sind und die Maschinen aufgereiht wie Perlen auf einer Schnur sich dem Airport nähern, lässt sich besonders gut erkennen, wo sich der unsichtbare Gleitstrahl befindet.

HERAUSFORDERUNG FÜR FLUGLOTSEN

Kurz vor dem Aufsetzen hat das ILS seine Arbeit getan. Andere Systeme übernehmen jetzt den Rest der Landung. Fachleute sprechen hier von der Entscheidungshöhe. Es ist die letzte Möglichkeit für den Piloten, den Anflug abzubrechen und, ohne die Bahn berührt zu haben, durchzustarten. 24 Messprozeduren plant die Crew heute für „23R“ ein, so die Bezeichnung für eine Landung auf der Nordbahn aus Osten kommend. Dafür sind vier Stunden Flugzeit vorgesehen.

Zur Vermessung wird eine Bodenstation benötigt, die von der DFS-Bodentechnik in der Nähe des Gleitwegmastes installiert wurde. Sie sendet Daten während des Fluges zur Messmaschine mit deren Hilfe diese ihre Position sehr exakt bestimmen kann. Die Koordination der Flugvermessung stellt eine hohe Herausforderung an die Towerlotsen der DFS am Flughafen dar, da die Flugvermessung in den laufenden An- und Abflugverkehr eingereiht werden muss. Dieser soll so wenig wie möglich behindert werden.

Neben diesen klassischen Flugvermessungsaufgaben ist die FCS auch verantwortlich für die Validierung neuer An- und Abflugverfahren, bietet eine breite Produktpalette rund um satellitengestützte Flugnavigation und Radarflugvermessung an und entwickelt mit einem Mitarbeiter im Forschungsbereich neue Serviceprodukte. Für die Vermessungsflüge stehen der FCS mit Sitz in Braunschweig zwei Beech King Air 350 zur Verfügung, die je ca. 900 Stunden pro Jahr in der Luft sind. Die Mess- und Auswerteeinrichtung an Bord hat einen Wert von knapp drei Millionen Euro. Die Kosten des Flugzeuges kommen noch hinzu.

Ihre Meinung zum Artikel

Keine neue Geschichte verpassen!

Gerne benachrichtigen wir Sie per E-Mail, sobald ein neuer Artikel auf dusmomente.com erscheint.

Unter allen Neuanmeldungen bis zum 15. Oktober 2018 verlosen wir 2 x 2 Besuchertouren.

Bitte melden Sie sich hier an:

Gefällt Ihnen der Artikel?

Ihre Meinung interessiert uns.

Leserbrief schreiben