Duschen mit Elefanten

VON OKTOBER BIS OSTERN IST SAISON FÜR FLUGZEUGENTEISUNG

DUSmomente besuchte das De-Icing-Team am Düsseldorfer Flughafen und ließ sich von Mitarbeiter Werner Busch das Prozedere der Flugzeugenteisung näher erläutern.

Enteisung eines Azurair-Flugzeugs
Für gewöhnlich beginnt der Tag mit einer Dusche. Heißes oder wahlweise kaltes Wasser weckt die Lebensgeister und macht fit für den Tag. Fit für die Reise müssen im Winter oft auch die Flugzeuge gemacht werden. Duschen ist dafür auch im Luftverkehr das geeignete Mittel. Statt Duschgel wird allerdings Enteisungsflüssigkeit verwendet.

Die „Frostschutzdusche“ wäscht mögliche Schnee- und Frostansätze auf Rumpf- und Tragflächen ab. Diese können nämlich die Aerodynamik und das Flugverhalten beeinträchtigen. Deshalb dürfen die Flugzeuge bei winterlichen Wetterlagen erst starten, wenn sie schnee- und eisfrei sowie vor Wiedervereisung geschützt sind.

DÄNISCHE ELEFANTEN

Ab dem 1. Oktober – dann beginnt die Enteisungssaison – tritt Werner Busch als „Elefantendompteur“ in Aktion. Gemeinsam mit 61 weiteren, speziell ausgebildeten Mitarbeitern des De-Icing-Teams am Düsseldorfer Flughafen, bedient er die insgesamt zwölf Spezialfahrzeuge vom Typ „Elephant Beta“ des dänischen Herstellers Vestergaard. Sie erinnern mit ihren langen Rüsseln, den Sprühdüsen, tatsächlich an die Dickhäuter. „Es ist immer wieder ein besonderes Gefühl, wenn ich in die kleine Kabine meines Fahrzeugs steige und die Flugzeuge vor mir wie Hochhäuser aufragen. Dann fährt der Hubarm hoch und ich gleite mit meiner Kabine Stockwerk für Stockwerk höher, bis ich das gesamte Flugzeug von oben im Blick habe“, erzählt der 52-Jährige.

Bereits seit 29 Wintern erfüllt er seinen Spezialauftrag in Sachen Sicherheit. Oben angekommen trägt er mittels einer Sprühdüse das Enteisungsmittel auf Flugzeugrumpf und Flügel auf. Das Mittel besteht aus einer material- und umweltverträglichen Flüssigkeit, die jeweils entsprechend dem Wetter, der aktuellen Lufttemperatur und den Angaben der Piloten mit Wasser gemischt wird. Die Grundvorräte an diesem Enteisungsmittel liegen am Düsseldorfer Airport bei rund 180.000 Litern.

UNBERECHENBARE FAKTOREN

Zu den besonderen Herausforderungen seiner Arbeit zählt Busch naturgemäß das unberechenbare und nur begrenzt vorhersehbare Wetter. „Es ist oft nicht wirklich absehbar, ob oder wie lange ich ein Flugzeug duschen muss. Es hängt von der Temperatur, dem Niederschlag und natürlich dem Piloten ab, ob und wie intensiv ich enteise.“ Bei Raureif können die insgesamt vier Teams etwa 24 Flugzeuge pro Stunde enteisen. Länger dauern die Vorgänge bei harter Vereisung oder Schneefall – pro Flugzeug bis zu 30 Minuten.

Grundsätzlich regeln internationale Richtlinien und Airlinespezifische Vorgaben den Umgang mit Enteisungsflüssigkeiten bei bestimmten Witterungsverhältnissen. Wichtig ist auch, dass die sogenannten Enteisungspositionen möglichst nah an der Startbahn liegen, damit zwischen der Frostschutzdusche und dem Start des Flugzeugs so wenig Zeit wie möglich vergeht und die Maschinen sicher und zügig in die Luft gehen können.

SCHWINDELERREGENDE HÖHEN

Aber zurück zu den Elefanten. Hat Busch einen besonderen Liebling unter ihnen? „Die vier ‚Elephanten Beta 15‘ gehören schon zu meinen Favoriten. Hier zählt für mich die pure Größe und damit natürlich auch der beste Panoramablick über den Flughafen“, grinst er. Seine Lieblinge sind spezielle Enteiser für den Riesenvogel A380 und damit bis zu vier Meter höher als ihre kleineren Artgenossen. Ihre Sprühdüse erreicht eine Höhe von bis zu 25 Metern, die Kabine kann bis auf 15 Meter hochgefahren werden.

„Neben der enormen Höhe der Maschine, liegt eine weitere Herausforderung bei der Enteisung in der unglaublichen Flügelgesamtfläche von etwa 920 Quadratmetern. Allein das Höhenruder eines A380 ist größer als eine gesamte Flügelfläche beim A320“, verrät er noch als letzte Information, bevor er in einen weiteren Einsatz startet – für die Morgenstunden sind eisige Temperaturen angesagt.

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