Die Problemlöserin

VERKEHRSLEITERIN NICOLE HARNISCHMACHER 

„Flexibel!“ Nicole Harnischmacher denkt einen kurzen Moment nach und wiederholt dann noch einmal: „Ja, in meinem Job muss man wirklich in jeder Beziehung flexibel sein.“ Harnischmacher  weiß wovon sie spricht, schließlich ist sie seit 15 Jahren als Verkehrsleiterin vom Dienst für den Düsseldorfer Airport im Einsatz. Oberste Priorität dabei: den Flugbetrieb aufrecht erhalten. Dabei ist kein Tag wie der andere. Genau das macht für die Düsseldorferin den Reiz ihrer Arbeit aus: „Natürlich haben wir feste Aufgaben. Einen festen Rhythmus gibt es aber nicht. Man kann nie vorhersehen, was einen während der nächsten Schicht alles erwartet. Die ‚Überraschungen‘ sind nicht immer positiv, die Lösungswege nicht immer einfach zu finden. Aber der Adrenalinstoß in solchen Situationen pusht einen und sorgt dafür, dass man schnell, aber natürlich immer überlegt handelt.“

Im Dienstfahrzeug auf dem Vorfeld
Kein 08/15 Job also. Auch nicht „nine-to-five“. Denn, auch wenn der Flugbetrieb am Düsseldorfer Airport in der Nacht ruht, die Verkehrsleitung tut das nicht. Das bedeutet Schichtdienst. Auch am Wochenende. Harnischmacher ist daher mal von 6 bis 14 Uhr, mal von 14 bis 22 Uhr oder aber von 22 bis 6 Uhr im Dienst. 

Was währenddessen alles anfällt? Zum Beispiel die Fahrten mit dem Friction Tester. Eine ihrer Lieblingsaufgaben. Friction Tester? So heißt der Wagen, der über einen speziellen Wassertank sowie ein fünftes (Mess-)Rad verfügt. Dadurch ist es möglich, Aquaplaning zu simulieren und die Bremswirkung auf den Bahnen zu messen. Täglich wird regelmäßig überprüft, ob die beiden Start- und Landebahnen in Ordnung sind. Die zusätzlichen Fahrten mit dem Friction Tester finden in der Regel am Wochenende statt – und  dann nachts. Dann geht es mit dem Friction Tester bei konstant 96 Stundenkilometern einmal hin und zurück über die Start- und Landebahnen des Airports. „Es ist ein super Gefühl, auf der Startbahn unterwegs zu sein. Vor allem nachts, wenn die Befeuerung an ist und hunderte blaue, weiße und rote ‚Lichter‘ ausnahmsweise mal keinem Flugzeug, sondern einem selbst den Weg weisen“, schwärmt Harnischmacher. Doch bei aller Begeisterung: „Die Fahrten mit dem Friction Tester sind ein gutes Beispiel dafür, welche Verantwortung wir Verkehrsleiter tragen“, ist sich die ehemalige Handlingsagentin bewusst. „Unsere Messungen müssen präzise und zu 100 Prozent verlässlich sein. Zum einen, weil wir die Ergebnisse direkt an die Kollegen im Tower weiter-geben. Zum anderen, weil unsere eigenen Entscheidungen darauf fußen. Die Werte zeigen uns, ob sich Glatteis auf der Bahn befindet und wir direkt den Winterdienst anfordern müssen. Oder ob es mal wieder an der Zeit ist, das nächste Reinigungsintervall auszulösen, damit der Gummiabrieb von der Bahn entfernt wird. Kurzum: Wir verantworten mit, dass das Bahnsystem vollkommen in Ordnung ist und die Flugzeuge sicher abheben oder landen können.“

Entscheidungen treffen. Gezielt und schnell. Das ist ein gutes Stichwort. Denn genau darauf kommt es in dem Job an. „Wenn irgendwo am Airport irgendetwas aus dem Ruder läuft, landet es in der Regel direkt hier bei uns in der Verkehrsleitung“, weiß die 47-Jährige. „Wir suchen dann entsprechende Lösungen beziehungsweise leiten die ersten Schritte in die Wege.“ Ein erster Schritt kann sein, einen Einsatzstab einzuberufen. Wenn beispielsweise aufgrund eines Streiks zahlreiche Flugverbindungen ausfallen. In anderen Fällen alarmieren die Verkehrsleiter direkt die Bundespolizei – zum Beispiel wenn irgendwo auf dem Gelände ein herrenloses Gepäckstück auftaucht. 

Die Verkehrsleiter bilden in solchen Fällen die Schnittstelle zwischen dem Airport und den Behörden, aber auch zwischen dem Airport, den Fluggesellschaften und der Deutschen Flugsicherung (DFS). „Ob mit der Bundes- oder der Landespolizei, der Bezirksregierung oder anderen Behörden, der DFS oder den Airlines: Wir stehen immer in regem Kontakt mit den Kollegen, tauschen uns aus und arbeiten eng zusammen. Das ist immens wichtig, um die unterschiedlichen Problemstellungen zu lösen“, findet sie.

Eine weitere wichtige Aufgabe der Verkehrsleiter: Sie achten darauf, dass die FBO, also die Flughafenbenutzungsordnung umgesetzt wird. Dazu gehört zum Beispiel auch, Verkehrssünder ins Visier zu nehmen. Ausgestattet mit einer Radarpistole geht es dann aufs Vorfeld. Wer dort zu schnell unterwegs ist, der kassiert, analog zum Flensburger Bußgeldkatalog, Punkte bis manchmal sogar hin zum Betriebsführerscheinentzug. „Wer hier schneller als die erlaubten 30 Stundenkilometer unterwegs ist“, verrät Harnischmacher, „sich nicht an die ausgewiesenen Fahrwege hält, verbotenerweise auf dem Vorfeld raucht, oder keine Warnkleidung trägt, wird von uns darauf hingewiesen und muss dann entsprechend die Konsequenzen tragen.“

Die bunte „Aufgabenliste“ der Verkehrsleiter macht es deutlich: Eine offizielle Ausbildung kann es für so ein Berufsbild nicht geben. „Wer den Job machen will, muss den Flughafen wie seine Westentasche kennen und die dortigen Zusammenhänge und Vorgänge verinnerlicht haben“, fasst Harnischmacher zusammen. „Im Idealfall ist man also schon lange am Airport tätig, bevor man an einer betriebsinternen ‚Ausbildung‘ zum Verkehrsleiter teilnimmt. Neben diversen Weiterbildungen gehört dazu eine intensive, mehrmonatige Einarbeitung von den Kollegen.“ Aktuell sind 16 Verkehrsleiter am Airport im Einsatz. Dass Harnischmacher die einzige Frau im Team ist, hält sie selbst für nicht weiter erwähnenswert: „Ob Mann oder Frau – das spielt keine Rolle. Das einzige was zählt, ist, dass man schnell und eben flexibel reagiert. Und das ist keine Geschlechter-, sondern eine Typfrage, oder?“

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