Der König der Bienen

WALTER KLUMPP IST SEIT ZEHN JAHREN DER "FLUGHAFENIMKER"

Das Bienenprojekt am Düsseldorfer Flughafen ging vor zehn Jahren an den Start. Neben Standortsuche, Materialbeschaffung, Seuchenschutz und Auswahl der Fachlabore war es gar nicht so einfach, einen Experten zu finden, der das Projekt in der Praxis durchführt.

Bienen
Imker ist zwar nicht gerade ein typischer Flughafenberuf, aber nach zehn Jahren als Flughafenimker gehört Walter Klumpp fast schon zur Belegschaft. Der 81-jährige Düsseldorfer – studierter Maschinenbauingenieur und eigentlich seit 19 Jahren in Rente – ist seit 35 Jahren Hobbyimker und fast genauso lang, nämlich 32 Jahre, Vorsitzender des Kaiserswerther Bienenzuchtvereins. Außerdem betreut Klumpp seit Beginn des Airport-Bienenprojekts die vier Bienenstöcke des Flughafens.

Hochwertiger Honig

Ende 2005 nahm der Flughafen vier Bienenstöcke – die  Imker sprechen von „Beuten“ – in Betrieb. Den dabei gewonnenen Honig lässt er regelmäßig von unabhängigen Fachlaboren auf Schadstoffe und Lebensmittelqualität untersuchen. Das Projekt ergänzt die Messsysteme auf dem Airportgelände, die die auf dem Flughafen entstehenden Abgase und Feinstäube erfassen und analysieren und von denen sich – bei zu hohen Konzentrationen – auch Spuren im Honig finden lassen müssten. Aber in den zehn Jahren wurde kein Grenzwert überschritten, keine gesundheitsbedrohlichen Belastungen durch Schwermetalle oder Kohlenwasserstoffe festgestellt, und stets entsprach der Düsseldorfer Flughafenhonig den Qualitätsansprüchen des Deutschen Imkerbundes (DIB). Und die sind noch höher, als es das deutsche Lebensmittelrecht eigentlich verlangt.

Wirtschaftliche Bedeutung der bienen

Damit übermitteln die Bienen eine ganz wichtige Aussage: Nachbarn müssen sich im Umfeld des Flughafens keine Sorgen um ihre Nutzgärten oder Äcker machen. Sie können also auch weiterhin kräftig in die Äpfel aus dem eigenen Garten beißen. 
Aber bis es soweit ist, bis der Honig also von der Wabe ins Glas gelangt ist, braucht es eine Menge Fachwissen und Erfahrung. Ein Laie weiß eben nicht, wann Honig-„Erntezeit“ ist, wie man den Honig aus der Wabe ins Glas kriegt, welche Schädlinge es gibt und wie man Bienen überhaupt behandelt. Hier kommt Walter Klumpp ins Spiel. „Irgendwann im Herbst 2005 erhielt ich einen Anruf vom Nachbarschaftsbüro des Flughafens“, erzählt er. „Man beschrieb mir das Vorhaben und fragte, ob ich Interesse und Zeit hätte, dabei mitzumachen.“ Klumpp hatte beides, bot das Projekt doch eine gute Möglichkeit, ein bisschen PR sowohl für seinen Verein als auch für die Imkerei insgesamt zu machen. Klumpp: „Einerseits wollten wir auf die Probleme der Imker in Deutschland hinweisen, andererseits sowohl auf die Bedrohung der Bienen, als auch auf ihre enorme wirtschaftliche Bedeutung. Der Gegenwert der Bestäubung von Obst- und Gemüsepflanzen durch Bienen liegt weltweit bei rund 300 Milliarden Euro, in Deutschland sind es laut Bundeslandwirtschaftsministerium rund vier Milliarden Euro.“  
Zumindest der Wunsch nach mehr Publicity hat sich erfüllt: Durch die Kooperation mit dem Flughafen hat die öffentliche Beachtung der Imker einen massiven Schub erlebt. Regelmäßig berichten Zeitungen, Radio- und TV-Stationen über die Flughafenbienen und ihren König. 

der experte für alles was sticht

Am Flughafen ist Klumpp mittlerweile der Fachmann für alles, was Flügel ohne Federn hat und stechen kann: Als vor einigen Jahren ein Bienenschwarm eine Vorfeldleuchte in Terminalnähe „besetzte“ und zu befürchten stand, dass Passagiere und Vorfeldarbeiter gestochen werden, riefen die Verkehrsleiter Walter Klumpp zu Hilfe. Ähnlich läuft es, wenn in einem alten Flughafengebäude ein Wespen- oder Hornissennest gefunden wird (beide Arten stehen übrigens wie Bienen unter Naturschutz). Bis jetzt hat Klumpp immer helfen können.

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