Billigflieger

BADELATSCHE TRIFFT BUSINESSSCHUH

Low-Cost in Düsseldorf. Warum nicht? Die sogenannten Billigflieger haben Europas Luftverkehr längst verändert. Und die etablierten Fluggesellschaften müssen umdenken. Das Phänomen Billigflieger bringt heutzutage Menschen in Flieger, die sich früher solche Reisen niemals hätten leisten können. Auf der anderen Seite nutzen auch Geschäftsleute immer häufiger die günstigen Angebote, um von A nach B zu gelangen. Die Badelatsche trifft den Businessschuh. Und beide reisen schon seit geraumer Zeit gut damit. 

Preisschilder
Low-Cost ist auf dem Vormarsch. Und kaum jemand hätte hiermit gerechnet, als erst Southwest Airlines in den USA und später Ryanair in Europa mit ihrer Low-Cost-Philosophie durchstarteten. Heute ist jeder dritte Passagier, der von und nach Deutschland fliegt, Kunde eines Billigfliegers. „Der Luftverkehr ist dynamisch. Er erfordert einmal mehr ein Umdenken. Es wird zukünftig nur noch zwei Arten von Flügen geben: sogenannten Hub-Verkehr über die Drehkreuze und Punkt-zu-Punkt-Verkehr, den wir heute Low-Cost nennen. Innerhalb Europas sind Billigflieger daher auf kurzen Strecken immer mehr der neue Standard“, erklärt Lutz Honerla, Leiter des Bereiches Marketing und Strategie am Düsseldorfer Airport. In vielen Ländern Europas liegt der Anteil der Billigflieger bereits deutlich über 50 Prozent. Und der Marktanteil der Low-Coster wächst weiter. „Dies ist aus unserer Sicht eine unumstößliche Entwicklung im Luftverkehr. Wir glauben daher, dass es falsch wäre, sich vor diesem Segment dauerhaft und grundsätzlich zu verschließen, vielmehr möchten wir es ausbauen“, betont Dr. Ludger Dohm, Sprecher der Flughafengeschäftsführung.

Als größter Flughafen NRWs setzt der Düsseldorfer Airport auf einen attraktiven Mix an Angeboten: mit etablierten deutschen und internationalen Netzwerk-Airlines, Ferienfluggesellschaften aber auch ausgewählten Low-Cost-Carriern. Oder anders gesagt: Ob Urlaubsreisende, Manager oder Städtebummler – von dem vielfältigen Angebot an Fluggesellschaften und Reisezielen in Düsseldorf profitieren alle. „Wir sprechen darum als Airport mit vielen Airlines. Das ist unser alltägliches Geschäft. Basis unserer Gespräche mit den Airlines ist unsere Entgeltordnung sowie das dort hinterlegte Förderprogramm. Das Angebot der Fluggesellschaften richtet sich in Düsseldorf dann letztlich nach der Nachfrage aus der Region“, sagt Honerla.

Ohnehin sind die Grenzen zwischen den Geschäftsmodellen der Airlines mittlerweile fließend, so dass es schwierig ist, überhaupt noch zwischen Low-Cost- und anderen zu unterscheiden. Der Geschäftsmann kann beispielsweise in Barcelona genauso gut erfolgreiche Geschäftsabschlüsse machen wie der Tourist einen schönen Urlaub. „Früher machte die Unterscheidung vielleicht einmal Sinn. Heute längst nicht mehr. Low-Coster haben einen hohen Standard. Sie fliegen junge Maschinen und stehen heute auch bei Themen wie Sicherheit und Zuverlässigkeit in nichts mehr nach. Um verstärkt auch für Geschäftsreisende attraktiv zu sein, fliegen Billigflieger mittlerweile auch größere, zentralere Flughäfen an. Und es gibt bereits spezielle Servicepakete für Business-Kunden, über Treueprogramme wird bereits nachgedacht“, so Honerla. „Die klassischen Fluggesellschaften stellen sich hingegen ihrerseits um, bilden Billigflug-Ableger, Hin- und Rückflüge sind heute bei allen einzeln buchbar oder verschiedene Konfigurationen werden für ein und denselben Flug angeboten.“ Branchenexperten weisen längst auf diese Entwicklungen im Luftverkehr hin und sprechen von einer Billigflug-Revolution, die das Fliegen demokratisiert hat. Auf Europa-Strecken sei das Geschäftsmodell alter Schule schon lange tot. Bei Langstrecken stellt sich die Situation heute noch etwas anders da. Grund hierfür sind hohe Fixkosten wie der Kerosinpreis, Überfluggebühren oder Flugzeug-Abschreibungen. Kurze Bodenzeiten sind durch die langen Flugzeiten von Kontinent zu Kontinent nicht einzuhalten. Also alles   in allem Stellschrauben, an denen kaum gedreht werden kann. Versucht wird es aktuell von einigen Airlines dennoch. Ob erfolgreich, das wird sich zeigen. Fest steht: Die Europa-Strecken sind bereits mehr und mehr in der Hand der einstigen „Billigflieger“…

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