Alarm für Panther 29/4

DER FLUGHAFEN ÜBT DEN NOTFALL

In regelmäßigen Abständen simuliert der Flughafen Düsseldorf Katastrophenfälle, um für jene Situationen gewappnet zu sein, von denen sich jeder wünscht, dass sie niemals eintreffen mögen. So auch bei der diesjährigen Flugunfallübung „Sierra 2017“. 

Einsatzkräfte beraten sich
Ein A330 der Air Berlin rollt über den Taxiway in Richtung Startbahn, muss dort aber noch warten bis der Germanwings-Flieger gelandet ist und die Bahn wieder frei wird. Unzählige Fahrzeuge – Gepäckkarren, Hubbühnen, Passagierbusse und Tankwagen – bewegen sich übers Vorfeld. An den Flugzeugen wuseln fleißige Mitarbeiter, damit sich die Jets mit ihren Passagieren möglichst schnell zu neuen Zielen aufmachen können. Alltag an Deutschlands drittgrößtem Airport.

ERST STILLE, DANN FLAMMEN

Stutzig macht lediglich die mit Zuschauern besetzte Tribüne auf der Flugzeugposition V 06 im östlichen Teil des Flughafengeländes, die dort nicht hingehört. Kameraleute haben ihre Objektive auf ein vor ihnen geparktes Flugzeug gerichtet. Der Bereich ist weiträumig abgesperrt. Erwartungsvolle Stille, bis plötzlich Flammen in den Himmel schießen und die Szenerie von Rauch eingenebelt wird. Unter lautem Sirenengeheul rauschen nach und nach Einsatzfahrzeuge der Flughafenfeuerwehr heran. Mehrere „Panther“ – auf Flugzeugbrände spezialisierte, tonnenschweren Speziallöschfahrzeuge der Flughafenfeuerwehr – ersticken die Flammen in einer beeindruckenden Wasserfontäne.

An diesem Samstag probt der Flughafen Düsseldorf den Ernstfall. Einen Ernstfall, der hoffentlich so nie eintreten wird, aber auf den die Flughafenfeuerwehr, Rettungsdienste, Polizei und viele Stellen am Airport immer vorbereitet sein müssen. „Die Übung soll die Notfallplanung und die Zusammenarbeit mit den beteiligten Behörden und Stellen bei einem Flugunfall praxisnah überprüfen und verbessern“, sagt Holger Rosslan, Leiter Notfall- und Safety-Management.

KATASTROPHE NACH DREHBUCH

Alle zwei Jahre wird diese Übung mit jeweils einem anderen „Drehbuch“ wiederholt. Das eigentliche Ziel ist für außenstehende nicht gleich erkennbar. Es geht um Kommunikation: Funktioniert der Alarmplan, haben alle Verantwortlichen kompetent reagiert, ist jeder rechtzeitig informiert worden? Auch Stellen außerhalb des Flughafens, wie etwa die Berufsfeuerwehr, sind im Alarmplan mit im Boot. Sie hilft bei der Rettung der Verletzten und bringt sie in verschiedene Krankenhäuser in einem Umkreis von 50 Kilometern.

Über 350 Personen nehmen an der Flugunfallübung „Sierra 2017“ teil. Auf der Außenposition wird’s jetzt immer voller. Unzählige Einsatzfahrzeuge treffen am havarierten Flugzeug ein. Feuerwehrleute stürmen in die Maschine und kümmern sich um die teils verletzten Passagiere. Auf der Besuchertribüne klicken die Kameras. Per Megafon werden die Pressevertreter über das Übungsszenario auf dem Laufenden gehalten. Mit blutverschmiertem Gesicht taumelt eine junge Frau an der Seite eines Feuerwehrmanns die Flugzeugtreppe herunter. Sie hinkt und verdeckt mit einer Hand ihre klaffende Wunde im Gesicht. Gestützt wird sie von einem Feuerwehrmann, der sie zu den anderen Patienten bringt. Sanitäter sichten die Verletzten und markieren sie farbig. Grün ist leicht verletzt und kann warten, gelb sollte bald behandelt werden, rot sofort.

SCHAUSPIELSCHÜLER SIMULIEREN DEN ALPTRAUM

Schauspielschüler der Essener Folkwang Hochschule und Mitarbeiter des Jugendrotkreuzes sorgen als „Opfer“ dafür, dass die Retter unter realistischem Stress stehen. Sie haben vorab ein Drehbuch bekommen, um ihre Verletztenrolle möglichst authentisch zu spielen. Während auf dem Vorfeld immer mehr Passagiere versorgt werden, treffen sorgenvoll die „Angehörigen“ in einem speziell zugewiesenen Aufenthaltsraum ein. Auch sie müssen betreut und informiert werden. Das Flughafen Care Team und die Notfallseelsorge kümmern sich bei einem realen Unglück – wie jetzt auch in der Übung – um Besucher, Abholer und Familienmitglieder.

Was bei der Flugunfallübung „Sierra 2017“ gut eine Stunde dauert, vollzieht sich bei einem realen Unfall wesentlich schneller. Ein Flugzeug muss im Notfall innerhalb von 90 Sekunden evakuiert werden. Dann würde auch der Flugbetrieb eingestellt werden, während die Flugsicherung die ankommenden Flugzeuge auf andere Flughäfen verteilt.

Das ist an diesem Samstagmorgen zum Glück nicht notwendig. Der Alptraum ist nur gespielt. Auch sind alle Airlines vorab über die Übung informiert worden, um unnötige Panik durch die vielen Blaulichter und Rauchschwaden zu vermeiden. Am Ende überwiegt die Einsicht, dass alles gut gelaufen ist. Auf Position V 06 verschwinden nach und nach alle Einsatzfahrzeuge. Am Flughafen kehrt der Alltag zurück.

Das war die Flugunfallübung "Sierra 2017"...

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