1, 2, 3, meins!

SPANNUNG BEI DER FUNDSACHENVERSTEIGERUNG

Plötzlich geht alles ganz schnell. Patrick Mikundas Arm schießt nach oben. „40 Euro“, ruft der Versteigerer. Ein anderer Herr bietet 50. Nochmal winkt Patrick, dieses Mal noch energischer.

Fundsachen
Er hat sich fest vorgenommen: Diese schwarze Sporttasche soll es sein. Der 24-Jährige besucht zum ersten Mal eine Fundsachenversteigerung am Airport. Seine Mission: Für höchstens 100 Euro ein Gepäckstück ergattern.

Das Streben nach Glück

Wie Patrick hoffen viele hier auf den großen Fang. Denn, ob die Fundstücke olle Lumpen oder Luxusutensilien beinhalten, wissen nur die Mitarbeiter des Fundbüros. „Der Nervenkitzel gehört dazu und macht auch den Reiz der Versteigerungen aus“, weiß Michael Bloss, Leiter des Flughafenfundbüros. „Laptops, Hüte, Gebisse, Rollstühle… Es gibt nichts, was nicht vergessen wird.“ Im besten Fall finden sich in den zurückgelassenen Gepäckstücken Schmuck, Geld oder wertvolle Elektroartikel. Im schlimmsten dreckige Unterhosen.

Bevor die Fundsachen aber unter den Hammer von Versteigerer André Scheidt kommen, warten sie mindestens ein halbes Jahr lang im Flughafenfundbüro auf ihre Besitzer. Bloss und seine Mitarbeiter durchsuchen sie vorher nach Hinweisen zu ihrer Herkunft. Verderbliche Lebensmittel oder Medikamente werden bei dieser Gelegenheit gleich aussortiert. Ist auch nach mehreren Monaten kein Besitzer aufgetaucht, werden die Fundsachen bei Versteigerungen
wie heute im Maritim Hotel versteigert. 150 Koffer, Taschen und andere Rückbleibsel türmen sich auf der großen Bühne. An diesem Abend wechseln auch 60 gesammelte Nackenkissen ihren Besitzer. Ebenso ein Plüsch-ET in Kleinkindgröße und ein Baustellenradio. Selbst eine Gehhilfe findet in Kombination mit einem Kabinentrolley einen freudigen Abnehmer.

Spannung pur

Patrick hat sich von Beginn an etwas ausgeguckt: Als Sportfan hat es ihm eine große, schwarze Reisetasche angetan. Nachdem er zu Übungszwecken bereits auf einige Koffer mitgeboten hat, geht er nun in die Offensive. Denn während andere schon ihre vermeintlichen Schatztruhen auspacken, steht er noch mit leeren Händen da. Volle Konzentration, als die schwarze Tasche auf den Auktionstisch gestellt wird. Noch bevor André Scheidt das Startgebot zu Ende formuliert hat, hebt Patrick entschlossen die Hand. „Zehn Euro.“

Die Schlacht um das vermeintliche Schnäppchen hat begonnen. Es dauert nicht lange, und ein anderer Bieter steigt mit ein. In Zehnerschritten schmettern sich die beiden die Gebote um die Ohren, bis Patrick auf 60 Euro erhöht. Gespannt wartet er auf ein Gegengebot. Doch stattdessen hört er nur die Stimme des Versteigerers „60 Euro. Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten. Verkauft an den Herrn im schwarzen Pullover“. „Juchu“, ruft Patrick und grinst. Stolz holt er sich sein neues Reiseutensil ab. Zu dem Versteigerungspreis kommen noch einmal 15 Prozent Zulagen obendrauf. Damit liegt Patrick voll im Budget. „Jetzt will ich auch sofort wissen, was da drin ist!“

Sekt oder Selters

Zügig verlässt er den Auktionsaal. „Vielleicht habe ich ja Glück und ein berühmter Sportler hat einfach sein Gepäck vergessen“, malt er sich lachend aus. Dennoch öffnet er die Seitentaschen etwas zögerlich. Darin findet er Badezimmerartikel und eine Damen-Armbanduhr. Nichts, das man nicht erwartet hätte. „Uäh!“ Patrick verzieht das Gesicht, als er an einem Parfumflakon schnuppert. Eau de Toilette, nicht das günstigste, aber auch nicht nach dem Geschmack des jungen Mannes. Das Hauptfach ist vollgestopft mit Männerklamotten. „Da ist aber auch irgendetwas Kantiges drin“, sagt Patrick und wühlt weiter. Hervor kommt ein nagelneuer Gemüsemixer. „Cool, noch original-verpackt!“ Dann spannen sich seine Gesichtszüge an. In einem Nebenfach findet sich eine etwas verranzte Briefbörse.

Doch noch der ganz große Fang? Ein Blick ins Innere hinterlässt allerdings Enttäuschung: Nur ein paar Münzen, türkische Lira. Außerdem finden sich noch ein hölzernes Reiseschachbrett, eine Schirmmütze und eine Isoliertrinkflasche in der Tasche. „Alles in allem bin ich zufrieden. Für 60 Euro kann man durchaus weniger erwarten“, lautet Patricks Resümee. „Allein schon das Mitbieten hat Spaß gemacht.“

Möchten Sie auch mal mitbieten?

Die nächste Fundsachenversteigerung findet am Sonntag, den 7. Oktober 2018, im Rahmen des Familien Airlebnis „Abenteuerurlaub“ im Terminal statt.

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