Unterwegs zuhause

REISETREND KREUZFAHRT: IMMER MEHR DEUTSCHE ENTSCHEIDEN SICH FÜR URLAUB AUF DEM SCHIFF

1,81 Millionen Deutsche haben – laut einer Studie des Branchenverbands CLIA, Cruise Line International Association, und des Deutschen Reiseverbands DRV – 2015 an einer Hochseekreuzfahrt teilgenommen. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Anzahl an „Kreuzfahrern“ damit nahezu verdreifacht. Tendenz weiterhin steigend. Deutschland ist damit nach Nordamerika zum Kreuzfahrtmarkt Nummer zwei avanciert.

AIDAcara
Das Publikum an Bord? Bunt gemischt – entgegen aller Vorurteile. Vom Kleinkind bis zum Teenager, vom Azubi bis zum Rentner, von der Rockerbraut mit zwei großen, auf die Schulterblätter tätowierten Totenköpfen bis hin zum konservativen Anzugträger: Kreuzfahrten kommen bei allen Alters- und Zielgruppen gut an. Woran liegt’s?

Claas Cramer (34), seit Juli 2016 Kapitän an Bord der Aida Cara, fallen darauf spontan zwei Antworten ein: „Zum einen erlebt man einzigartige Situationen. Man kann Dinge tun, von denen man schon immer geträumt hat. Aber auch Sachen, an die man vielleicht selbst nie gedacht hätte. Das reizt die Gäste an Bord genauso wie uns als Crewmitglieder.“ Vom Schneemobilfahren auf Island über den Flug mit einer Cessna von Belize zu einer kleinen unbewohnten Insel bis hin zum Rochenschwimmen auf Grand Cayman: Die Auswahl an Ausflügen, die an Bord buchbar sind, ist immens. Für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel ist etwas dabei. Wer trotz allem nicht fündig wird oder schlichtweg individueller unterwegs sein möchte, erkundet die Gegend auf eigene Faust.

„Zur Erlebnisvielfalt“, fährt Cramer fort, „kommt zum anderen noch der Wohlfühlfaktor hinzu. An Bord kommen heißt hier: nach Hause kommen. Alle elf Schiffe der Aida-Flotte sind von der Struktur her gleich aufgebaut. Dadurch erwartet die Passagiere ein vertrautes Umfeld, in dem sie sich direkt zurechtfinden. Dazu gehört auch, dass wir komplett auf deutsche Gäste ausgerichtet sind – von der Innenausstattung der Kabinen über das Essen bis hin zum Programm.“ Auch wenn die Restaurants auf den Schiffen also italienische, indische oder japanische Küche anbieten, sollen die Gäste nichts missen müssen, was sie von zuhause kennen und lieben. Ein Konzept, das ankommt. Über 800.000 der deutschen Kreuzfahrtgäste haben sich 2015 für Aida entschieden. Das entspricht einem Marktanteil von 44 Prozent.

Der wahrscheinlich unbestritten größte Vorteil einer Schiffsreise: Man hat für die komplette Reise seine feste Kabine und „schippert“ entspannt von Ziel zu Ziel. Ein Flug, ein Zuhause, viele unterschiedliche Destinationen. Alles ganz bequem und komfortabel, ohne dabei still zu stehen. An den Anlegetagen gewinnt man Eindrücke von Land und Leuten, geführt und durchorganisiert oder ganz individuell. Und an den Seetagen … Ja, was passiert eigentlich an den Seetagen? Die einen sonnen sich auf dem Pooldeck, gehen in die Sauna oder lassen sich massieren. Andere treiben Sport, nehmen an Tanzkursen teil, ersteigern Kunstdrucke oder vertiefen ihr Wissen bei Vorträgen. Ganz nach dem Motto: Wer die Wahl hat, hat die Qual.

Knubbelt es sich da nicht manchmal ein wenig? Immerhin passen rund 1.300 Gästen an Bord der Aida Cara. „Das befürchten in der Tat viele, selbst meine Freunde“, gibt Kapitän Cramer zu. „Dabei gibt es einen einfachen Rat: Bewegt man sich azyklisch und meidet die Stoßzeiten, ist alles entspannt. Im Fitnessstudio ist es zum Beispiel zwischen 16 und 18 Uhr richtig voll. Wer aber gegen 19 Uhr auf den Crosstrainer steigt, ist fast alleine. Und wem es auf dem Pooldeck zu trubelig ist, der findet am Heck garantiert ein ruhiges Plätzchen.“

Die beliebtesten Ziele: Europäische Ziele standen bei 76,2 Prozent der deutschen Kreuzfahrtpassagiere im vergangenen Jahr besonders hoch im Kurs. Angeführt wird die Liste von Nordeuropa und den Britischen Inseln, dicht gefolgt von der Mittelmeerregion. Auf Platz drei rangiert der Atlantik mit den Kanarischen Inseln. Die Kanaren-Route bedient Kapitän Claas Cramer aktuell mit seiner Aida Cara. Die ein- oder zweiwöchigen Kreuzfahrten starten in Las Palmas auf Gran Canaria – mit Stopp unter anderem auf La Gomera, Lanzarote und Teneriffa sowie je nach Route auf Madeira, den Azoren oder den Kapverdischen Inseln. Eine Tour, die es dem gebürtigen Bremerhavener selbst angetan hat. „Wenn es irgendwie passt, gehe ich, bevor wir in Gran Canaria ablegen, als Ausgleich zum Job Wellenreiten. Dann klemme ich mir mein Brett unter den Arm und mache mich auf den Weg zum Stadtstrand von Las Palmas, ‚Las Canteras‘. Oder ich gehe golfen. Auf La Gomera. Selbst erfahrene Golfer bekommen hier große Augen. ‚Tecina Golf‘ bietet auf einer Höhe von 250 Metern saftiges Grün. Bahn für Bahn spielt man sich dann ins Tal hinab.“

Während der sportliche Kapitän noch am Schwärmen ist, unterbricht ihn ein Passagier. Ein junger Mann, geschätzt Mitte 30. „Ein gemeinsames Foto mit dem Kapitän bitte.“ Und schon wird ein weiterer Grund deutlich, warum wir gerne auf Kreuzfahrt gehen: Es ist und bleibt etwas Besonderes. Das wir uns nicht immer gönnen. Aber wenn, dann bewundern wir den Kapitän in seiner schmucken Uniform. Den erfahrenen Seebären, von dem wir wissen, dass er uns sicher in den nächsten Hafen bringen wird. Gemeinsam mit ihm entdecken wir die weite Welt, erfahren wir die unendliche Weite auf dem Ozean da draußen und fühlen uns dabei gleichzeitig wie zuhause.

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KREUZFAHRTAUSTAUSCHFLÜGE DER AIR BERLIN

Laut Karsten von dem Hagen, Leiter Verkauf Sonderflüge bei Air Berlin, haben Kreuzfahrt-Sonderflüge bereits seit vielen Jahren eine sehr hohe Priorität für die Airline mit dem rot-weißen Logo. Auch Aida Cruises spielt dabei eine zentrale Rolle: Die Zusammenarbeit mit der Reederei rührt noch aus der Zeit, als am Rostocker Firmensitz noch der Name „Arkona Touristik“ prangte. Den ersten Flug im Rahmen dessen führte Air Berlin am 4. Mai 2001, also vor 15 Jahren durch – von Düsseldorf nach Palma de Mallorca. Aida Cruises gehört mittlerweile zu den zehn größten Kunden der Airline aus dem Segment der Reiseveranstalter.

Der Düsseldorfer Airport spielt als Heimatflughafen der Air Berlin für die Kreuzfahrt-Sonderflüge eine wichtige Rolle: Bis zu 85 Prozent davon starten am Rhein, da die Airline dort einen großen Teil ihrer Flotte, unter anderem auch ihre Airbus A330 stationiert hat. Ein optimales Flugzeug, um bis zu 290 Passagiere auf der Mittel- oder Langstrecke beispielsweise zum gewünschten Kreuzfahrthafen zu bringen. Für Aida Cruises führt Air Berlin z.B. aktuell Vollcharterflüge von Düsseldorf aus in Richtung Karibik durch – und zwar jeweils nach Santo Domingo (SDQ) in der Dominikanischen Republik und Montego Bay (MBJ) auf Jamaika.

Mehrere Kreuzfahrtaustauschflüge der Air Berlin führen von der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt in den Sommermonaten zu entlegenen arktischen Flughäfen wie Longyearbyen (LYR) auf der norwegischen Insel Spitzbergen oder zum Kangerlussuaq Airport (SFJ) auf Grönland. Allesamt Ziele, die sonst nicht auf dem Düsseldorfer Flugplan stehen. Darüber hinaus hat Air Berlin für diesen Winter Kreuzfahrt-Sonderflüge nach Havanna (HAV) auf Kuba, Fort de France (FDF) auf Martinique und Pointe-a-Pitre (PTP) auf Guadeloupe geplant. Der längste Kreuzfahrtaustauschflug von Düsseldorf führte bisher nach Feuerland ins argentinische Ushuaia (USH), dem südlichsten zivilen Verkehrsflughafen der Welt.

FISCHFUTTER: DAS HILFT BEI SEEKRANKHEIT

Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön – leider führt sie bei dem ein oder anderen auch zur Seekrankheit. Was dagegen hilft? Mario Remus (34), der als Chef de Cuisine das Gourmet-Restaurant „Rossini“ an Bord der Aida Cara leitet, empfiehlt vor allem zwei Dinge: „Essen – und Beschäftigung. Damit sich nicht zu viel Säure bildet, sollte der Magen auf keinen Fall leer sein. Am besten auf Brot oder Zwieback zurückgreifen und sich ruhig auch ein Gläschen Sekt gönnen. Außerdem ist Ablenkung das A und O. Sich bloß nicht darauf konzentrieren, dass das Schiff gerade schaukelt. Besser ist es, selbst aktiv zu werden und beispielsweise (in der Disko) zu tanzen.“

Auch Sören Küssel (25), Entertainment Manager an Bord der Aida Cara, weiß, dass bei Seekrankheit essen hilft: „Im Grunde ist das, wie wenn man mit dem Auto in die Berge fährt. Ohne Benzin, also ohne die richtige Basis, die für den Antrieb sorgt, wird das auch nichts.“

Ein kleiner Tipp zum Abschluss: Am Bug oder am Heck sind die Wellenbewegungen am deutlichsten zu spüren. Am ruhigsten geht es in der Mitte des Schiffes zu.

Chili-Schoko-Mousse

Zum Dahinschmelzen

Rossini-Chefkoch Mario Remus zaubert ein Drei-Gänge-Menü und wir zeigen Ihnen, wie Sie nachkochen können.

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