ZEHN FRAGEN AN DR. ANDREAS MOERKE

TOKIO

Dr. Andreas Moerke ist seit 2007 Geschäftsführer der Messe Düsseldorf Japan. Seit seinem ersten Tokio-Aufenthalt 1990 hat er insgesamt 17 Jahre in Japan verbracht.
Er studierte Japanologie und promovierte in Betriebswirtschaft, spricht exzellent Japanisch und kennt sich mit den kulturellen Unterschieden zwischen Japanern und Deutschen bestens aus. Im Sommerurlaub zieht es ihn gerne für ein paar Tage nach Deutschland zurück, am liebsten ans Meer. 

An welchem Ort in Tokio muss man unbedingt gewesen sein, der nicht im Reiseführer steht?

MOERKE Gleich eine schwierige Frage – es gibt ja schon so viele Reiseführer…
Der Sky Tree, der welthöchste Fernsehturm, ist relativ neu und wegen seiner Aussichtsplattformen auf 350 und 450 Metern Höhe ein Magnet auch für japanische Touristen. Die Viertel Ginza und Kyobashi bieten Highlights zum Thema Stadtentwicklung, Ladenarchitektur und natürlich Shoppingspaß.

 Welche kulinarische Spezialität muss ein Besucher in Tokio unbedingt probieren und wo findet er das typische Nachtleben?

MOERKE  Sushi muss man hier essen! Der Fischmarkt Tsukiji versorgt die Restaurants der Stadt mit dem Frischesten, was die Meere zu bieten haben. Und das muss nicht teuer sein. Einige Kaitensushi-Restaurants starten mit 100 Yen (75 Cent) für einen Teller mit ein oder zwei Stück Sushi. Für die Fleischliebhaber sind Karaage eine gute Alternative – die frittierten Stückchen Hühnerfleisch sind Standardangebot in vielen Restaurants und werden auch in Convenience Stores angeboten. Wer seinen Gaumen wirklich testen will, sollte sich einmal Natto (vergorene Sojabohnen) auf den Reis tun. Aber Vorsicht: Nase zuhalten!

Nachtleben in Tokio – da sind die Clubs von Roppongi oder die Etablissements in Kabukicho gut im Rennen. Die jungen Leute treffen sich eher in Shibuya.

 In welchem Viertel gibt es die ungewöhnlichsten Shops?

MOERKE  Da fallen mir sofort der Straßenzug der Takeshita-dori in Harajuku oder Shibuya mit dem Kaufhaus „Shibuya 109“ ein. Beide richten sich an die Zielgruppe der jungen und etwas ausgeflippten Mädchen oder jungen Frauen. In Akihabara kommen Manga- und CosPlay-Fans auf ihre Kosten. Küchenutensilien von Messern bis hin zu täuschend echten Plastikmodellen von Sushi und Co. findet man in den Läden der Kappabashi-Straße in Asakusa.

 Was gilt derzeit noch als Insidertipp?

MOERKE  Ein Besuch im Suntory Museum of Art in Mid-Town Roppongi. Das ist ein kleines und sehr schön designtes Museum mit wechselnden Ausstellungen zu japanischer Kunst und Kunsthandwerk.

 Um welche Fettnäpfchen muss ich als Tourist einen besonders großen Bogen machen?

MOERKE  Die Japaner sind mittlerweile Ausländer gewöhnt und wissen, dass in anderen Ländern andere Sitten herrschen. Aber wenn man sich beispielsweise Sojasoße direkt auf den Reis gießt (weil der sonst zu fade schmecken würde), sorgt das schon für einen Schreck. Und bitte die Stäbchen nicht (senkrecht) in den Reis stecken – das wird nur bei Opfergaben für die Toten gemacht...

 Wo findet man etwas Ruhe für eine kurze Auszeit?

MOERKE  Es gibt in Tokio einige Parks, die diesen Namen auch verdienen: der Yoyogi-Park beispielsweise, oder der Shinjuku Gyoen (für den allerdings ein Eintritt fällig wird). Eine kleine Zeitreise bietet ein Besuch im Hamarikyu-Park, wo im Teehäuschen
am Teich ein traditioneller Matcha (aufgeschäumter grüner Tee) mit japanischen Süßigkeiten serviert wird.

 Unterwegs mit Kindern? Wo haben Familien den meisten Spaß?

MOERKE  Wer etwas lernen will: Das Edo-Tokyo-Museum vermittelt sehr anschaulich, wie das Leben hier vor 200 Jahren aussah, als Tokio noch Edo hieß und nicht die offizielle Hauptstadt Japans war. Der Vorteil: Man muss kein Japanisch können, um die durch lebensgroße Puppen dargestellten Alltagsszenen zu verstehen! Populär ist auch der Zoo in Ueno, unter anderem mit seinen Pandas. Oder – ein bisschen weiter weg – Tokyo Sea Life Park, wo die Kids ihren Spaß beim Beobachten der Pinguine und Fische haben. Oder Sie buchen eine Bootstour von Asakusa (perfekt für die Besichtigung des Tempels Sensoji, der zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Tokios gehört) nach Hamarikyu und schauen sich die Stadt mal vom Wasser aus an. 40 Minuten, die den Eindruck von Tokio um eine ganz andere Perspektive bereichern.

 Welches Wort, welche Redewendung sollte man in der Landessprache unbedingt beherrschen?

MOERKE  Arigato. Ein „Dankeschön“ kommt auch in Japan gut an.

 Was darf auf keinen Fall im Koffer fehlen, wenn man nach Tokio reist?

MOERKE  Wer eingeladen wird oder schon weiß, dass es ein Treffen mit Japanern gibt, sollte als Gastgeschenke ein paar Kleinigkeiten dabei haben: Es eignen sich Süßigkeiten – oder zum Beispiel der Düsseldorfer Löwensenf! Aus praktischen Erwägungen: neben der Reiseapotheke vielleicht Papiertaschentücher, weil die japanischen doch arg dünn sind. Ganz wichtig: der Adapter, um Smartphone und Kamera aufzuladen. Die deutschen Stecker passen nicht in japanische Steckdosen!

 Welche Jahreszeit eignet sich am besten für einen Besuch?

MOERKE  Das Frühjahr und da insbesondere die Monate März oder April, wegen der Kirschblüte. Im Herbst empfehlen sich Oktober und November, da ist es in Tokio noch warm und nicht so grau und verregnet wie oft in Deutschland.

LUST AUF TOKIO?

Ihre Meinung zum Artikel

Keine neue Geschichte verpassen!

Gerne benachrichtigen wir Sie per E-Mail, sobald ein neuer Artikel auf dusmomente.com erscheint.

Unter allen Neuanmeldungen verlosen wir eine Airport-Tour für zwei Personen.

Bitte melden Sie sich hier an:

Gefällt Ihnen das Interview?

Ihre Meinung interessiert uns.

Leserbrief schreiben