DER GRENZGÄNGER

REINHOLD MESSNER REISTE AN DIE EXTREMSTEN ORTE DER ERDE

Reinhold Messner steht mit locker aufgestelltem Bein vorm Matterhorn und schaut entspannt Richtung Licht, ein leichtes Lächeln auf den Lippen. Dieses Bild, das unser Fotograf im Gasometer Oberhausen, wo gerade die Ausstellung „Der Berg ruft“ läuft, eingefangen hat, lässt sich symbolisch auf Messners Leben beziehen. Für die mittlerweile 73-Jährige Bergsteigerikone wäre das Matterhorn mit seinen knapp 4.500 Metern Höhe wohl auch heute noch ein Klacks.

Gasometer Oberhausen
Messner bezwang Gipfel von ganz anderem Kaliber. Er liebt das Abenteuer, stellte zig Rekorde auf – und bereiste dabei die Welt. Seit 1969 unternahm der gebürtige Südtiroler mehr als 100 Reisen in die Gebirge und Wüsten dieser Erde. Immer höher, schneller, weiter.

DER BERGSTEIGER

Wenn man dem drahtigen Mann mit dem üppigen Haar zuhört, kann man seine Abenteuerlust deutlich spüren. Messner liebt es, Geschichten zu erzählen. Vor allem Geschichten über die Berge, die er seit Kindesbeinen an erklommen hat. Während andere Fünfjährige im Sandkasten spielten, stand Messner auf dem Gipfel seines ersten Dreitausenders in den Dolomiten. Viele weitere Ausflüge folgten, die im Laufe der Zeit zu mehrmonatigen Touren wurden. Durch seine vielen Erstbegehungen und die Besteigung aller 14 Achttausender ohne Sauerstoff wurde er zur lebenden Bergsteigerlegende.

Dabei konnten ihn selbst Schicksalsschläge nicht aufhalten. Als 25-Jähriger verlor Messner 1970 am Nanga Parbat im Westhimalaya sieben Zehen. Noch viel schlimmer aber: Während des Abstiegs verunglückte sein Bruder tödlich. „Das war meine schlimmste Tour und eine große seelische Belastung, aber trotzdem kam es für mich nie in Frage, aufzuhören“, sagt er. Als Grenzgänger bezeichnet sich Messner selbst. Einer, der dem Tod in die Augen sehen musste, damit sein Körper Unmenschliches leisten konnte. Wohl auch deshalb habe er nie in die Rentenkasse eingezahlt. „Es gab nämlich Zeiten, in denen ich nicht gedacht habe, dass ich überhaupt 70 Jahre alt werde.“

DAS UNMÖGLICHE MÖGLICH MACHEN

Nachdem er in den Bergen alles erreicht hatte, was es zu erreichen gibt, suchte Messner die Herausforderung in der Horizontalen. Genauer gesagt in der Wüste Gobi. Mit nur zehn Kilogramm Ausrüstung und ohne jede logistische Hilfe durchquerte er zu Fuß die karge Landschaft. Immer die Angst im Nacken, dass die Wasservorräte nicht ausreichen würden. Unterstützung während seiner 2.000 Kilometer langen Reise fand er bei den Wüstennomaden, die mit ihm Essen und Yurten teilten. „Das waren die besten und großherzigsten Gastgeber, die ich kennengelernt habe.“

Auch die Wüste Takla Makan im westlichen China, die Antarktis und Grönland durchquerte Messner zu Fuß. Sein Anreiz waren dabei nicht die Rekorde. Ihm ging und geht es um das Ausgesetztsein in möglichst unberührter Natur. „Ein Abenteuer ist für mich, wenn ich in schwierigen Situationen durch mein eigenes Handeln überlebe. Das Unmögliche möglich machen, das ist mein Lebensmotto.“

Wohl auch deshalb kritisiert er den Sturm der Touristen auf die Berge. „Heute kann man die Begehung des Mont Blancs im Reisebüro buchen. Mit dem Helikopter geht es auf 5.600 Meter, um dann im Gänsemarsch auf präparierten Pisten zur Spitze zu gelangen. Das ist kein Alpinismus, sondern Tourismus“, beklagt er.

ZIELE

Heute ist die Zeit der großen Abenteuer vorbei und Messner beschränkt sich auf das Erzählen seiner Geschichten. Und er hat eine Menge zu erzählen, über 50 Bücher verfasste er bereits.  Trotzdem unterscheiden sich seine Familienurlaube deutlich von denen durchschnittlicher Pauschalreisetouristen. Dann geht es mit der ganzen Familie zum Beispiel mit dem Schiff in die Antarktis.

Gibt es noch einen Ort, den er besuchen möchte? „Ich würde gerne noch viele Reisen unternehmen, aber ich muss nicht mehr auf die höchsten Berge steigen“, sagt er. Die kann man sich auch prima als Bild anschauen. Zum Beispiel im Gasometer.

DER BERG RUFT

So heißt die aktuelle Ausstellung im Gasometer Oberhausen, die noch bis zum 30. Dezember 2018 zu sehen ist. Sie zeigt die Vielfalt der Berge und erzählt von der ewigen Faszination, die sie auf uns Menschen ausüben.

Höhepunkt der Ausstellung ist eine monumentale Nachbildung des Matterhorns, das seitenverkehrt im 100 Meter hohen Luftraum des Gasometers schwebt und sich im Fußboden spiegelt. So können die Besucher es aus der Vogelperspektive und im Wechsel der Tages- und
Jahreszeiten erleben.

www.gasometer.de

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