ROCKETMAN

GOTTLOB ESPENLAUB UND SEINE RAKETENFLUGZEUGE

Fast vollkommen in Vergessenheit geraten ist der schwäbische „Tüftler“ und Flugpionier Gottlob Espenlaub. Er führte 1929 den weltweit ersten erfolgreichen Flugversuch mit raketengetriebenen Flugzeugen auf dem Flughafen in Düsseldorf-Lohausen durch.

Espenlaub
Als Sohn eines Landwirts und Schäfers aus Balzholz, in der Schwäbischen Alb, wurde Gottlob Espenlaub als Ältester von 15 Geschwistern am 25. Oktober 1900 geboren. Nach Schreinerlehre und Wehrdienst, war er 1919 arbeitslos. Mit der Träumerei vom Fliegen hatte ihn bereits sein Vater angesteckt. Deshalb bewarb er sich 1920 für einen Segelflugwettbewerb, ohne Vorkenntnisse als Pilot oder Konstrukteur. Die ersten Erfahrungen waren entsprechend ernüchternd.

RUNDFLÜGE FÜR 10 MARK

Aus Teilen abgestürzter Segelflugzeuge baute er den Hängegleiter „Espenlaub 1“, der bereits beim Erstflug zu Bruch ging. Aber er gab nicht auf. Drei Jahre später flog er mit der „Espenlaub 5“ bei einem Wettbewerb in Wien 3,5 Kilometer und gewann den zweiten Preis im Streckenflug. Er konzentrierte sich fortan auf die Konstruktion von Motorflugzeugen und zog Ende 1927 mit seiner kleinen Firma nach Düsseldorf-Lohausen, wo er in der ehemaligen Luftschifferkaserne geeignete Werkstatträume fand.

Die zweisitzige „Espenlaub 12“ hatte 35 PS, 12 Meter Spannweite, eine Länge von fünf Metern und flog mit 120 km/h Höchstgeschwindigkeit. Der Benzinverbrauch war mit 8 l/100 km angegeben und das Flugzeug kostete 5.800 Reichsmark. Das war damals ungefähr so viel wie der Preis für einen guten Sportwagen. Später baute er ein Flugzeug für 5 Passagiere, 600 Kilo Tragkraft mit einem 120 PS Siemens Sternmotor.

Erst jetzt in Düsseldorf soll er Anfang der 30er Jahre seine Prüfung als Motorflieger und Fluglehrer abgelegt haben. Andere Quellen bezweifeln, dass er je einen Flugschein hatte. Bei den von ihm veranstalteten oder geflogenen Rundflügen durfte man für 10 Mark Düsseldorf und Umgebung aus der Vogelperspektive betrachten.

FLÜGE MIT RAKETENANTRIEB IN DÜSSELDORF

Mit den Jahren erwarb sich Espenlaub nicht nur den Ruf eines hervorragenden Flugzeugkonstrukteurs, sondern auch als wagemutiger Pilot. Die Konstrukteure von Antriebsraketen – Volkhardt, Valier und Sander – traten an Espenlaub heran, um bemannte, raketenbetriebene Flüge durchzuführen. Im Sommer 1929 bereitete Espenlaub in Lohausen solche Flüge vor. Die „Rhein-und Ruhrzeitung“ berichtet am 20. Juli über erste Raketenflugversuche mit Eichsfeld-Pappraketen. Der erste erfolgreiche, bemannte, raketengetriebene Flug fand dann am 22. Oktober 1929 in Düsseldorf-Lohausen statt.

Dazu waren an einem Segelflugzeug zwei Raketen mit einem Schub von je 300 Kilogramm befestigt worden. Die „Espenlaub RAK 1“war geboren. Den Bug dieses Flugzeuges hatte Espenlaub mit einem Haifischmaul bemalen lassen. Ein Bild, das durch die Welt ging. Espenlaub ließ sich von einem Motorflugzeug auf eine Höhe von circa 20 Metern schleppen, klinkte aus und startete die erste Rakete. Mit großem Getöse wurde das leichte Segelflugzeug in die Höhe katapultiert. Das Seitensteuer fing Feuer, trotz eines Asbestschutzes. Die zweite Rakete zündete Espenlaub dann nicht mehr. Es gelang ihm eine glatte Landung ohne weitere Schäden.

Der Tüftler ließ sich aber nicht entmutigen. Die Düsseldorfer Nachrichten berichteten am 28. April 1930: „Espenlaub hat mit seinem neuen, schwanzlosen Pfeilflugzeug, das mit Raketen ausgestattet ist, auf dem Flugplatz Lohausen erfolgreiche Versuche unternommen. Die Fluggeschwindigkeit betrug etwa 90 km/h mit Raketen von 300 Kilo Schub und sechs Sekunden Brenndauer.“ Der „Verein für Raketenforschung“ in Wesermünde bei Bremen entsandte eine Prüfungskommission und die weiteren Versuchsflüge wurden nach Wesermünde verlegt.

Dass solche Abenteurer nicht die ungeteilte Begeisterung hervorriefen, zeigt der Beitrag des Piloten W. Debus in den Düsseldorfer Nachrichten vom 3. Mai 1930: „Schluss mit der Luftakrobatik! Die ‚Raketen-Maschine‘ des Düsseldorfers Espenlaub, der in Bremen verunglückte, war, wie man in Zimmermannskreisen zu sagen pflegte, über den Daumen konstruiert‘, als schwanzloses Motorflugzeug mit vorn liegendem Motor erbaut, um dann ohne jede konstruktive Veränderung aufgrund eines verlockenden Angebots zur Raketenmaschine mit hinten liegendem Antrieb umfrisiert zu werden. Wie eine derartige, unerprobte Neukonstruktion, ursprünglich zu ganz anderen Zwecken bestimmt, von amtlichen Sachverständigen als Raketenflugzeug zugelassen werden konnte, vor allem, dass dem Führer, der nicht einmal das Flugzeugführerzeugnis besaß, die Genehmigung erteilt wurde, bedarf unter allen Umständen einer eingehenden Nachprüfung“. Weitere Flüge mit Raketenantrieb führte Espenlaub nicht durch, weniger weil er am 4. Mai 1930 aus zehn Metern Höhe abstürzte und sich verletzte, sondern weil er keine weiteren Raketen zur Verfügung gestellt bekam.

FLUGZEUGWERFT IN WUPPERTAL-LANGERFELD

1939 eröffnete Espenlaub in einer stillgelegten Textilfabrik in Wuppertal-Langerfeld einen größeren Betrieb. Hier wurden Flugzeuge der Luftwaffe repariert, Ersatzteile hergestellt, Beuteflugzeuge umgebaut, Lastensegler entwickelt und Versuche mit großen, auch motorgetriebenen Drachen durchgeführt. Der Düsseldorfer Betrieb wurde zwar aufrechterhalten, verlor aber an Bedeutung. Am 7. Juli 1938 stellte er nach einer Überprüfung durch das Preußische Gewerbeaufsichtsamt einen Antrag, den Keller der ehemaligen Luftschifferkaserne, der nur zweieinhalb Meter hoch war, als Schreinerei nutzen zu dürfen. Sein Werftbetrieb befand sich auf dem Grundstück des heutigen Schwimmbades, westlich des General Aviation Terminals.

Während des Krieges wandte sich Espenlaub mehr und mehr dem christlichen Glauben zu und zog sich aus dem Unternehmen zurück. 1951 startete er nach Wiederfreigabe des Segelflugs als erster Deutscher vom Flughafen Essen-Mühlheim. Espenlaubs missionarisches und karitatives Engagement wurde immer stärker. Daneben lies er riesige Flugdrachen mit Werbeschriften und christlichen Botschaften aufsteigen. Noch 1969 baute er mehrere große Flugdrachen und nicht nur seine Familie staunte über die großen, unförmigen Vögel am Himmel über dem Bergischen Land. Espenlaub starb 1972 nach einem langen Herzleiden in Wuppertal und ist auf dem Unterbarmer Friedhof begraben.

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