JOSEF WILLEMS

BERUFSPILOT UND PASSIONIERTER FOTOGRAF

Wenn Josef Willems in ein Flugzeug steigt, dann ist seine Kamera immer dabei. Dass bei seinem Blick aus dem Fenster fast immer spektakuläre und einzigartige Motive herauskommen, liegt an seinem bevorzugten Sitzplatz. In der ersten Reihe, ganz vorne im Cockpit. Willems ist Berufspilot und fliegt einen Airbus A330 auf Fernstrecken für Eurowings.

Auto auf Kuba
Bevor wir ihn näher vorstellen, gibt es vorneweg die Antwort auf die vielleicht wichtigste Frage in diesem Zusammenhang: Nein, es ist nicht gefährlich was er macht und er vernachlässigt seine Aufgaben im Cockpit zu keinem Zeitpunkt. Alle Aufnahmen sind entweder in ruhigen Phasen eines Fluges entstanden oder in Situationen, wenn Willems als dritter Kapitän an Bord ist. Bei langen Flügen ist das die Regel, damit die Crew ihre vorgeschriebenen Pausenzeiten einhalten kann.

INTERMEZZO BEI DER POLIZEI

Jetzt aber zurück zum Anfang. Willems Lebenslauf ist alles andere als geradlinig. Nach dem Schulabschluss wusste der damals 16-Jährige zunächst nicht so recht, was er machen sollte. Der Vater war Polizist, also ging auch er zur Polizei. Was für die meisten ein lebenslanger Beruf bleibt, dauerte für Willems nur zehn Jahre. Dann wollte er nicht mehr. Mit seiner Einheit aus Krefeld wurde er Ende der 1980er Jahre zu einem Einsatz nach Berlin geordert. Spätestens als ihm die Pflastersteine um die Ohren flogen, stand sein Entschluss fest, den Polizeidienst zu quittieren. Das Fernweh hatte ihn gepackt. Er wollte reisen, die Welt sehen.

Willems bewarb sich als Flugbegleiter bei der LTU in Düsseldorf. Sprachbegabt war er – was sollte schiefgehen? Er bekam den Job. Ab jetzt war es in Sachen Luftverkehr um ihn geschehen. Sein Wunsch war es immer, auf Fernstrecken zu fliegen, und davon hatte die LTU in den 1990er Jahren eine Menge zu bieten. Ein Flugkapitän „überredete“ ihn, es doch im Cockpit zu versuchen. Willems machte privat auf eigene Kosten seine Pilotenausbildung. Ungefähr 100.000 D-Mark kostete so etwas damals. Nebenbei arbeitete er als Türsteher im Krefelder Club „Königsburg“. „Ein Abend brachte genug Geld, um eine Flugstunde zu bezahlen“, erinnert Willems sich heute.

DER TRAUM VON DER FERNSTRECKE

Im Januar 1997 war es dann endlich so weit: die erste Anstellung als Co-Pilot. Das Flugzeug: ein zweimotoriger, kastenförmiger Turboprop vom Typ Short 360. Die Airline: Rheinland Air Service in Mönchengladbach. Das Gehalt: halb so viel wie als Steward. Statt nach Santo Domingo oder Florida ging es jetzt nach Berlin-Tempelhof. Willems wollte mehr. Der 1964 geborene Quereinsteiger wusste: „Mit 35 musst du auf dem Jet sein.“ Die Uhr tickte. Willems hatte Glück und konnte zu FTI auf den Airbus A320 wechseln.

Der deutsche Reiseveranstalter betrieb nur für kurze Zeit eine eigene Airline. Nach knapp zwei Jahren war Schluss, auch für Willems. Also wieder zurück. Die Short 360 wurde mittlerweile auf nächtlichen Frachtflügen für FedEx eingesetzt. Mit Josef Willems im Cockpit. 2001 dann die nächste Chance: bei der LTU kannte man ihn noch. Er bekam eine der vier ausgeschriebenen Stellen als Co-Pilot, wieder auf dem A320. Was nach einem sicheren Job aussah, endete bekanntlich zuerst in der Übernahme der LTU durch Air Berlin und schließlich in deren Insolvenz. Wieder bei null? So denkt Josef Willems nicht. „Es gibt keine Zufälle, nur einen Weg, den du gehen musst.“

Sein Plus: Mittlerweile hatte er eine Menge Erfahrung im Cockpit sammeln können. Und Erfahrung drückt sich bei Piloten in Flugstunden aus. 16.000 waren es 2019. Genug, um eine Anstellung bei Eurowings zu bekommen. 2018 flog Willems bei der rasch wachsenden Low Cost Airline auf Kurzstrecken in Europa. Aber er wollte doch so gerne zurück auf die Fernstrecken. Die werden für Eurowings von Sun Express und Brussels Airlines betrieben. Willems wechselte zur belgischen Fluglinie und fliegt aktuell als Co-Pilot auf dem A330 ab Düsseldorf zu Zielen in den USA und der Karibik.

DURCHBRUCH MIT DER FOTOGRAFIE

Und die Fotografie? Die gab es immer. „Fotografie und Fliegerei gehören für mich zusammen“, sagt Willems. Mit 16 Jahren fotografierte er mit seiner ersten eigenen Spiegelreflexkamera, inspiriert durch Diavorträge seines Onkels von Reisen ins exotische Südamerika. Sein Fernweh hat er wohl auch aus dieser Linie geerbt. Er startete als Autodidakt, war interessiert, besuchte Kurse und entwickelte sich weiter. Seit 1997 fotografiert er digital. Und seit er fliegt, macht er Fotos aus dem Cockpit. Seine Motive hat er bis heute perfektioniert. Die Bilder sind keineswegs zufällige Schnappschüsse, sondern gut geplant. Ein Beispiel: „Bei mehr als 40 Abflügen von New York mit Blick auf Manhattan habe ich die perfekte Perspektive gefunden. 30 mal klappt es dann aus irgendwelchen Gründen nicht: Wolken, Licht, viel los im Luftraum. Ich habe das Glück, dass ich bei meinen vielen Flügen mehrere Versuche habe.“ Dann entstehen solche Fotos, wie auf diesen Seiten zu sehen.

Der gebürtige Niederrheiner engagiert sich auch als Leiter von Foto-Workshops. Kuba und Venedig sind seine Lieblingsziele. Auf der Karibikinsel kennt er sich bestens aus und hat bereits vier Fotoreisen mit einem kleinen exklusiven Teilnehmerkreis durchgeführt. Dabei legt er Wert darauf, sich auf die Motive zu konzentrieren. „Zuerst muss die Vision von einem Bild da sein“, meint er. Insbesondere Männer neigen seiner Erfahrung nach dazu, sich von der Technik zu sehr faszinieren zu lassen. Er weiß, wovon er redet. Mit seinen Fotografien ist Willems durchaus erfolgreich. Auf der Internetplattform airliners.net erreichte sein Foto einer KLM Boeing 747 im Flug mit dramatisch aussehenden Kondensstreifen Rekord-Klickzahlen. Bis heute wurde das Bild mehr als 1,8 Millionen mal aufgerufen. Der Südwestfunk wurde dadurch auf ihn aufmerksam und drehte eine Dokumentation über ihn. Der Startschuss für die kommerzielle Fotografie war damit gefallen. Es folgten Ausstellungen, Bücher, Veröffentlichungen in Magazinen und weitere Fotoworkshops. Aktuell sind seine großformatigen Fotos unter dem Titel „destination.airborne“ bei Foto Leistenschneider in Düsseldorf zu sehen. Wer es bis zum Sommer nicht schafft sich die Fotos im Original anzuschauen, dem empfehlen wir einen Blick auf die Webseite joe-photo.com.

Und sonst? Hobbys gibt es nicht, die hat Josef Willems ja alle zu seinem Beruf gemacht. Für seinen Job im Cockpit hält der 55-Jährige sich mit Yoga, Laufen und Boxen fit. Er lebt in Meerbusch bei Düsseldorf und hofft, dass der Fliegerarzt ihm bei den jährlichen Untersuchungen noch lange die Flugfähigkeit bescheinigt.

FOTOGRAFIEN VON JOSEF WILLEMS

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