Der Extrem-Vielflieger

CURT SIMON HARLINGHAUSEN STEIGT FAST TÄGLICH IN EIN FLUGZEUG

Ab wann ist man eigentlich Vielflieger? Gute Frage, aber bei Curt Simon Harlinghausen besteht da sicher kein Zweifel. Allein 2014 hat er mit 442 Flügen über 600.000 Meilen zurückgelegt. Seit etwa sechs Jahren betreibt er das Vielfliegen in dieser Intensität und hat bisher insgesamt rund 10.000 Stunden seines Lebens im Flieger verbracht. „Zwischen sechs- und zehnmal pro Woche steige ich in ein Flugzeug von Germanwings, Lufthansa oder Air Berlin. Wohin? Nach Los Angeles, New York, Singapur oder London zum Beispiel.“ Heute ging es für Harlinghausen, der seinen ersten Hon-Status bei Lufthansa übrigens nur mit innerdeutschen Strecken erflogen hat, von München nach Düsseldorf. Diese Strecke fliegt er oft. Neben seinem Hauptwohnsitz in München hat er noch eine Altbauwohnung in Flingern. Denn der gebürtige Salzburger hat zehn Jahre in der NRW-Landeshauptstadt gewohnt und fühlt sich seit dieser Zeit der rheinischen Lebens-art und Fortuna Düsseldorf eng verbunden. Am Flughafen schätzt er die kurzen Wege und die gute Anbindung an die Stadt. Von seiner Agentur bis zum Gate schafft es der 41-jährige Unternehmer oft in einer Rekordzeit von nur 20 Minuten. Wie das geht?

Inhalt aus Tasche
Flughäfen sind Curt Simon Harlinghausens zweites Wohnzimmer und so hat er die Abläufe bis zur Perfektion optimiert. Er kommt immer mit dem Mietwagen zum Airport, den er Dank Valet-Parking direkt vorm Terminal abstellen kann. Über seine Apple Watch checkt er schnell und unkompliziert ein, auch das spart Zeit. „Mein Lebensmotto ist ‚Keep it simple, make it real‘. Das fängt schon beim Packen an, das in maximal zehn Minuten erledigt ist.“ Selten reist Harlinghausen mit Koffer, ihm reicht eine Umhängetasche als Handgepäck, in die alles reinpasst, was er unterwegs braucht: Ein kleiner Kulturbeutel, ebenso eine kompakte Tasche für ein frisches Hemd und Socken ohne Bündchen – um das Tromboserisiko gering zu halten. Daneben dürfen natürlich seine beiden Laptops und die zwei Smartphones nicht fehlen. Hinzu kommen die ganzen Ladekabel, um die Akkus wieder aufzuladen. Für seinen eigenen Akku kommt er mit viereinhalb Stunden Schlaf pro Nacht aus. An Bord nutzt er daher die Zeit, um etwas Schlaf nachzuholen. Dann reichen ihm oft auch schon innerdeutsch die rund 45 Minuten Flugzeit. „Ich ziehe meinen Kapuzenpulli über und schlafe innerhalb von drei Minuten ein.“ Jetlag kennt der Extrem-Vielflieger trotzdem nicht. 

Warum reist Curt Simon Harlinghausen überhaupt so viel?

1994 hat er seine erste Firma gegründet und ist seitdem in der digitalen Welt unterwegs. Neben der Digitalagentur AKOM 360, die nun zur Starcom Mediavest Gruppe gehört und am Standort in Düsseldorf 15 Mitarbeiter beschäftigt, hat er zehn weitere Firmen mit aufgebaut und über 40 kleinere Investments weltweit – unter anderem in Korea, Polen und Indien. Das bringt den routinierten Vielflieger, der sich selbst als ‚Social Media Nerd‘ bezeichnet, um die ganze Welt. Er berät Unternehmen aus allen Branchen in der Kommunikation mit Kunden und Geschäftspartnern, entwickelt Businessmodelle, Strategien und treibt die digitale Vermarktung voran. Harlinghausen hält jedoch nicht viel von der Bezeichnung ‚Digitale Transformation‘: „Die digitale Entwicklung wird nicht aufhören und es wird ständig Veränderungen geben, auf die wir uns einstellen müssen.“ Dabei legt der Online-Experte viel Wert auf Kundennähe. „Die digitale Vernetzung kann ein persönliches Gespräch nicht ersetzen.“ Somit überwindet er auch für kurze Meetings weite Distanzen. Auf seinen Reisen übernachtet Harlinghausen gerne bei Freunden oder sucht sich private Unterkünfte über die Online-Plattform „Airbnb“. Zeit für die Familie bleibt dennoch genug. Mit seiner Frau und den zwei Kindern geht es dann mit dem VW-Bus in den Aktivurlaub.

Meet and Greet

An Bord hat Harlinghausen schon viele Freunde, Geschäftspartner und Kunden gefunden und einige berühmte Persönlichkeiten getroffen. Mit dabei waren Schauspieler, Politiker oder Sportler. Unter anderem Joey Kelly, Robert Davi, Siegfried und Roy sowie Bill Gates. Aus dem Kennenlernen mit Ralf Moeller hat sich eine Freundschaft entwickelt. Mit ihm verbindet Curt Simon Harlinghausen die Liebe zum Sport. Denn einen Ausgleich zum Job, der von „viel Interaktion und Begegnungen mit vielen Menschen geprägt ist“ findet der ausgebildete Skilehrer unter anderem beim Joggen, Thai Chi oder Racketlon, einem Turniersport mit den Disziplinen Tischtennis, Badminton, Squash und Tennis. Neben Sport hält sich Harlinghausen mit gesunder Ernährung fit und startet morgens immer mit einem Bircher Müsli und Obst in den Tag. 

Zur wohl beeindruckendsten Begegnung kam es im Flug von New York nach München mit UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und seiner Frau. „Bereits am Gate herrschte Aufregung. Eine große Gruppe an Sicherheitskräften versperrte in der Lounge zunächst die Sicht. Erst beim Boarding merkte ich, um welche Persönlichkeit es sich handelte. Und wie es der Zufall so wollte war Ban Ki-moon mein Sitznachbar und wir kamen ins Gespräch“, erzählt Harlinghausen. Die beiden Vielflieger sprachen über Veränderungen in der Gesellschaft, die fortschreitende Digitalisierung und den globalen Austausch. Neben wem er bei den nächsten 600.000 Meilen gerne noch im Flugzeug sitzen möchte? „Mit Apple-Chef Tim Cook, Dalai Lama oder der Queen würde ich über den Wolken gerne mal eine Tasse Tee zusammen trinken“, so der bekennende ‚Teeist‘. 

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