Der ewige Fan

ALFRED ROGOWSKI IST DER ERSTE PLANESPOTTER DÜSSELDORFS

Regelmäßig kommt er mit seiner Kamera zum Airport und macht vom Zaun und von der Terrasse aus Aufnahmen von Flugzeugen. In Düsseldorf gibt es einige hundert Luftfahrtenthusiasten, die das „Planespotten“ als Hobby haben. Was ist das Besondere an Alfred Rogowski? Er ist der Erste. Und damit ist nicht die Uhrzeit am frühen Morgen gemeint, sondern das Jahr. 1956, im Alter von 14 Jahren und im Besitz seines ersten Fotoapparats, beginnt er, Flugzeuge zu fotografieren. „Mir ist damals niemand aufgefallen, der wie ich häufig am Zaun gestanden und die Flieger beobachtet hat“, sagt der 74-Jährige heute.

Alfred Rogowski
Seine Leidenschaft für die Fliegerei beginnt bereits ein paar Jahre früher. Von der heimischen Wohnung in Stockum ist es nicht weit bis zum Flughafen, die an- und abfliegenden Maschinen sind gut zu beobachten. Schon 1950 radelt der damals Achtjährige fast täglich zum Platz. Obwohl es einige zivile Flüge mit Passagieren gibt (die Lufthansa ist zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gegründet), dominieren die Briten mit ihren Militärflugzeugen. Große Manöver mit Zeltstädten und lauten Kampfflugzeugen der frühen Nachkriegsgeneration finden am Düsseldorfer Flughafen statt, heute unvorstellbar.

Für Alfred Rogowski wird der Airport sein zweites Zuhause. Die Pförtner am Eingang der Aussichtsterrasse kennen ihn bald, die 15 Pfennig Eintrittsgeld muss er nur selten bezahlen. Bei neuem Personal kriecht er schon mal auf allen Vieren am Pförtnerhaus vorbei. Das ginge heute aufgrund einer Sicherheitskontrolle auch nicht mehr. Ebenso wie das „Eindringen“ in die Flugzeughallen. Die Galerie in Hangar 4 (den gibt es heute noch) wird bald zum Lieblingsplatz des kleinen Alfred. Von hier aus kann er durch das meistens geöffnete Tor den gesamten Flugbetrieb beobachten. Und er versucht sich nützlich zu machen: Einige Male hilft er, die beiden Piper-Flugzeuge des „Fliegenden Paters“ Paul Schulte aus der Halle zu schieben. Der malt auf der ganzen Welt weiße Kreuze in den Himmel und bietet Alfred einen Mitflug an, der ihm durch die fehlende Zustimmung der Eltern leider versagt bleibt. Mutter und Vater Rogowski ist es wohl nicht ganz geheuer, ein zehnjähriges Kind in die Luft zu schicken, auch nicht im Auftrag des Herrn.

Das Fliegen holt er nach. Seinen ersten Flug macht Rogowski 1958 mit einer einmotorigen Cessna: eine Runde über Düsseldorf. Im Jahr 1964 geht es dann erstmals mit einem „großen“ Flugzeug in die Luft: Eine Lufthansa Super Constellation (im Auftrag der Condor) bringt die Familie an die Schwarzmeerküste nach Varna in die Ferien. Seitdem ist er jedes Jahr als Passagier von seinem „Lieblingsflughafen“ aus unterwegs.

Durch seine Leidenschaft für die Luftfahrt kommt Rogowski zum Segelfliegen. Mit 18 Jahren hat er den Segelflugschein in der Tasche und hebt regelmäßig von der Wolfsaap am nahegelegen Grafenberger Wald ab. Er erinnert sich noch gut an ein Startverbot, das gegen ihn verhängt wurde. Eine Lufthansa Boeing 727 flog unter seinem Segelflugzeug durch, der Kapitän beschwerte sich über das „Sperrholz“ in der Luft. Pech für ihn, dass die Radarauswertung ihm eine viel zu niedrige Flughöhe nachweisen konnte. Er hatte schlicht vergessen, seinen Höhenmesser von London auf den Düsseldorfer Luftdruck umzustellen. Nun war er es, der am Boden bleiben musste, sicher für etwas länger.
 
Trotz aller Begeisterung ist Alfred Rogowski eine Karriere im Luftverkehr schließlich nicht vergönnt. „Es gab in Düsseldorf schlicht keine geeignete technische Ausbildungsmöglichkeit. Dazu hätte ich nach Hamburg oder Frankfurt gehen müssen“, sagt er heute rückblickend. Er ist am Rhein geblieben, hat hier sein Ingenieurstudium absolviert und ist Fan geblieben. Noch heute kommt er jede Woche mit seiner Frau zum Flughafen, um eine Tasse Kaffee zu trinken und die „Schönheit der Flugzeuge“ zu bewundern.

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