PROFIBOXER

WLADIMIR KLITSCHKO

Wladimir Klitschko ist ständig unterwegs. Gestern Nacht noch in Amerika, morgens im Büro seiner Managementfirma in Hamburg und weiter zum Familienbesuch in die Ukraine. Beim „Kinder.Flughafen.Sommer.Fest“ im August warb der amtierende Schwergewichtsweltmeister sämtlicher Boxverbände für seinen nächsten Kampf in Düsseldorf. Von Jetlag keine Spur – vielmehr schenkte er den kleinen Zuschauern durch seinen Auftritt einen besonderen Moment. Und uns, als wir ihn zum Interview treffen durften.

JASCHINSKI Als internationaler Topsportler sind Sie Vielflieger. Was darf in Ihrem Handgepäck nicht fehlen?

KLITSCHKO Ich lese viel, deswegen habe ich mein iPad mit meinen eBooks immer dabei. Generell achte ich darauf, nicht zu viel Handgepäck mitzunehmen, denn das muss ich ja alles mitschleppen und darauf achten, dass ich nichts vergesse.

JASCHINSKI  Science-Fiction und Fantasy oder doch lieber Krimis?

KLITSCHKO  Ich stehe nicht so sehr auf Romane, sondern lese viele Nachrichtenmagazine oder Sachbücher. Zum Beispiel die Bücher von Richard Branson (Gründer des Virgin-Imperiums, Anm. d. Red.). Das letzte Buch, das ich von ihm gelesen habe, ist „Screw it, let‘s do it“ („Geht nicht, gibt’s nicht“). Da beschreibt er unter anderem, wie er seine Marke Virgin und andere Brands unter dieser Dachmarke etabliert hat.

JASCHINSKI  Haben Sie als promovierter Sportwissenschaftler, Mitbegründer der Klitschko Management Group und Entwickler eines eigenen Fitnessprogramms einen Tipp für unsere Leser, wie man sich vor und während einer Flugreise fit halten kann?

KLITSCHKO  Es reicht einfach schon, immer wieder mal aufzustehen und kurz hin- und herzugehen. Außerdem kann man lockere Dehnübungen machen. Es kann auch sinnvoll sein, sich vor einer langen Reise nochmal richtig auszupowern und den Flug zur Regeneration zu nutzen.

JASCHINSKI  Sie sind ein gern gesehener Gast unseres Airports. Gibt es etwas, das Sie besonders am Flughafen Düsseldorf schätzen?

KLITSCHKO  Ich mag die kurzen Wege hier. Wenn man um- oder aussteigt, sind es jeweils nur ein paar Schritte. Obwohl der Flughafen überschaubar ist, kann man von hier aus überall in die Welt fliegen. Die Reichweite des Flughafens ist groß, aber er ist doch kompakt und „kuschelig“.

JASCHINSKI  Am 28. November machen Sie die Esprit Arena wieder zu Ihrem eigenen Boxring und verteidigen Ihre Weltmeistertitel gegen den Briten Tyson Fury. Sie haben bereits zweimal im Stadion in Düsseldorf geboxt – was ist das Besondere an der Esprit Arena?

KLITSCHKO  Die Zuschauerränge sind relativ steil, so dass man von allen Sitzplätzen aus gut sehen kann. Das habe ich schon selbst öfter erlebt, als ich dort beim Fußball war. Außerdem lässt sich das Dach schließen, was nicht nur für die Zuschauer komfortabel und warm ist, sondern auch für uns Boxer. Zudem herrscht dort auch eine ganz besondere Atmosphäre. Der Sound der Fans wird verstärkt. Wenn ich einlaufe, kann ich die Fans förmlich durch die Vibrationen der Luft spüren. Dann ist es, als boxte ich in einem kleinen Saal – und nicht in einem riesigen Stadion.

JASCHINSKI  Sie sind inzwischen 39 Jahre alt. Damit sind Sie – mit Verlaub – für einen Leistungssportler nicht mehr der Allerjüngste. Sie wirken jedoch fit wie ein 25-Jähriger. Wie lange dürfen wir Sie im Boxring noch bewundern?

KLITSCHKO  Ich spüre das Alter nicht. Vom Kopf her merke ich, dass ich im Laufe der Zeit besser geworden bin, mehr verstehe als noch mit 20. Nicht nur vom Boxen, sondern auch vom Leben, von der Welt. Ob Du fit bist oder nicht, ist nicht unbedingt eine Frage des Alters, sondern des persönlichen Lebensstils. Ich habe mich darüber mal mit Boxlegende Bernard Hopkins unterhalten. Der ist schon 50 und immer noch aktiver Boxer. Ich habe ihn nach seinem Geheimnis gefragt und er sagte, dass er das, was er mit 20 getan hat, auch heute noch tut. Er achtet auf sich, raucht nicht, trinkt nicht und ernährt sich gesund. Die Frage nach dem Aufhören wird mir immer häufiger gestellt. Fakt ist, dass ich nicht weiß, wie lange ich noch boxe oder wie kurzfristig ich mich vom Profisport verabschieden werde.

JASCHINSKI  Sie gelten als ausgesprochen kinderlieb. Sie engagieren sich für „Ein Herz für Kinder“ und haben zusammen mit ihrem Bruder die Klitschko Foundation gegründet, die sich um benachteiligte Kinder in der Ukraine kümmert. Seit Dezember 2014 haben Sie auch selbst eine kleine Tochter. Wäre das „Kinder.Flughafen.Sommer.Fest“ eine Veranstaltung, die Sie auch privat mit Ihrer Familie besuchen würden?

KLITSCHKO  Na klar. Es ist wichtig, dass Kinder gesellschaftlich integriert werden und nicht nur zuhause rumsitzen. Insofern sind solche Feste ideal, um etwas als Familie zu unternehmen. Mein Bruder Vitali macht so etwas auch häufig und die Kids haben immer sehr viel Spaß. Wenn ich mal Kinder in dem Alter habe, werde ich das sicherlich auch tun. Ich war vor einigen Jahren schon einmal beim Kinderfest am Düsseldorfer Flughafen – und wollte mir mal ansehen, welche Attraktionen dieses Jahr dabei sind.

Wladimir Klitschko beim Kinder.Flughafen.Sommer.Fest 2015

Ihre Meinung zum Artikel