GESTALTER

RONALD WILD

Ronald Wild (45) ist Corporate Designer bei Lufthansa. Und das mit großer Begeisterung. Pünktlich zum 100. Geburtstag des Kranichs in diesem Jahr, hat der gebürtige Ulmer gemeinsam mit seinem Team für die Airline ein neues, zeitgemäßes Outfit geschneidert. DUSmomente traf den Lufthanseaten in der Firmenzentrale am Frankfurter Airport zum Gespräch.

Lufthansa, das ist eine Marke, die man auf der ganzen Welt kennt. Gerade auch den Kranich, der dieses Jahr 100 Jahre alt wird. Wieso der neue Markenauftritt, wieso die Veränderung?

WILD Im Grunde hat sich die Marke stetig weiterentwickelt. Sie darf nicht stillstehen. Es ist wichtig, dass man regelmäßig einen D-Check macht – wie bei einem Flugzeug. Dass man schaut: Wo stehen wir mit unserem Design? Was funktioniert, was vielleicht nicht mehr? Die Gesellschaft hat sich verändert, die Technik, die Medien. Die Art, wie ein Unternehmen mit den Kunden kommuniziert. Beispielsweise über Social Media. Unser Anspruch – gerade auch an das Design – ist daher: Wir wollen zeitlos bleiben. Das müssen wir als Airline auch. Das liegt in unserer Design-DNA. Gleichzeitig müssen wir aber auch zeitgemäß sein.

 Was genau ist anders geworden?

WILD  Wir haben die Form des Kranichs verändert. Die Schwingen wurden geöffnet. Wir haben auch eine neue Schrift entwickelt, sie an die neuen, digitalen Anforderungen angepasst. Denn der Kunde muss unsere Schrift heute auch auf der Smartwatch gut lesen können. Und wir haben das Farbsystem geändert. Es quantitativ umverteilt. Blau ist unsere Premiumfarbe und führt für Lufthansa auf Markenebene. Gelb ist weiterhin unsere Herzensfarbe und transportiert unsere Emotion. Gelb findet sich beispielsweise in Uniformaccessoires wieder, gelb ist die Farbe des Dialogs mit unseren Gästen und hat die Funktion der Aktivierung im digitalen Kontext. Weiterhin ist gelb auch künftig unsere Signalfarbe am Flughafen.

 Wie lange wird es dauern, bis alles umgesetzt ist? Bis alle Flugzeuge umgebrandet sind und auch sonst überall das neue Design vorherrscht?

WILD  Wir setzen ab jetzt sukzessive alles, was neu produziert wird, im neuen Design um. Bordkartikel, Drucksachen, Marketingmaßnahmen und so. Was die Flugzeuglackierung angeht, richten wir uns nach dem gegebenen Lakierzyklus der Flugzeugflotte. Das heißt: Ein neu lackierter Flieger ist in der Regel nach sieben Jahren wieder an der Reihe. Das ist auch der wirtschaftlichste Weg. Digital wird bereits vieles umgestellt. Alles, was aber physisch umgebaut werden muss, wird eine Weile dauern. Es ist einfach was anderes, eine App zu bauen oder ein neues Gate.

 Was für ein Gefühl ist das, wenn man dann vor dem Flugzeug
steht mit dem neuen, riesigen Logo, in das man selbst
so viel Zeit und Energie gesteckt hat?

WILD  Wenn man auf einmal vor der ersten Boeing 747-8 im neuen Design steht, ist das schon cool. Ich war geplättet. Ehrfürchtig, stolz, aber auch demütig. Das kann man kaum in Worte fassen. So etwas ist ein Once in a liftime-Job: Dass man als Designer eine derartige Neugestaltung von der ersten Idee bis zur Umsetzung miterlebt, kommt nicht häufig vor. Das ist etwas Besonderes.

 Ihre Begeisterung sieht man Ihnen förmlich an. Ich kann Sie mir direkt als kleinen Jungen mit einem Flugzeug in der Hand vorstellen. Wollten Sie schon immer in die Luftfahrt gehen?

WILD  Ich habe das quasi mit in die Wiege gelegt bekommen. Meine ganze Familie kommt aus der Fliegerei. Mein Vater hat uns früher immer mit auf den Modell- und später auf den Segelflugplatz genommen. Und hat auch heute noch die Modellflugzeuge an der Decke hängen. Mein Bruder ist Flugkapitän. Und auch ich habe mich immer fürs Fliegen interessiert. Aber eben verbunden mit meinem Interesse für Design. Studiert habe ich daher Kommunikationsdesign. Es war aber absehbar, dass ich einmal bei einer Airline lande.

 Designer, da denkt man in der Regel nicht zuerst an eine Airline, sondern an Kleider, Schmuck oder Möbel. Was macht ein Designer bei einer Airline konkret?

WILD  Designer ist ein sehr weiter Begriff, „Gestalter“ trifft es besser. Ich habe ja auch an der Hochschule für Gestaltung studiert. Corporate Designer gestalten disziplinübergreifend. Wir fragen uns, welche Designelemente und Gestaltungsprinzipien ein Unternehmen wie Lufthansa braucht, um ein Lufthansa-Gefühl zu transportieren und wiedererkannt zu werden. Hier kommen dann die Fachdesigner ins Spiel. Wir arbeiten mit einem großen externen Netzwerk von beispielsweise Produktdesignern, die die Flugzeugkabine und -sitze gestalten. Oder digital spezialisierten Designern, die unsere App oder Webseite konzipieren. Das Lufthansa Corporate Design-Team bündelt dann all diese losen Enden. Wir sprechen mit den Fachdesignern, fordern sie heraus, prüfen ihre Ideen, sorgen dafür, dass sie auch zur Marke passen. Schließlich sollen unsere Kunden immer das Gefühl haben, bei Lufthansa zu sein – von der Buchung am Rechner zuhause, darüber wie sie am Airport geleitet oder in unseren Lounges empfangen werden, bis in den Flieger hinein.

 Wenn man selbst für eine Airline arbeitet und beruflich viel unterwegs ist: Fliegt man dann auch privat noch gern? Und wenn ja, wohin?

WILD  Ich habe eine kleine Familie. Mein Sohn ist jetzt 16 Monate alt. Daher fliege ich zurzeit privat weniger. Aber davor schon richtig oft. Häufig in die USA. Mal kurz nach New York zum Beispiel. Oder nach Hongkong. Denn ich fliege auch privat wirklich gerne. Wichtig ist mir dabei eigentlich immer nur eines: ein Platz am Fenster.

 Sie haben schon unzählige Flughäfen gesehen. Haben Sie einen Lieblingsflughafen?

WILD  Einen Lieblingsflughafen nicht. Aber das neue Terminal in Amsterdam finde ich cool. Ich bin da als Designer vorbelastet und finde Flughäfen vor allem aus architektonischer Sicht spannend. Sie müssen funktional sein. Eine gute Wegeführung haben. Wie in München. Oder klar sein. Wie in Zürich. Da ist alles grau mit weißer Typo, also Schrift. Der Airport nimmt sich selbst zurück und ich, als Passagier, erlebe keine Reizüberflutung. Das Terminal ist visuell nicht so „laut“.

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