MUSIKER

PETER UND STEPHAN BRINGS

Sie stehen für das kölsche Jeföhl, das über Köln hinaus das gesamte Rheinland berührt. Mit den Songs der Band „Brings“ gibt es für Jecken und Narren kein Halten mehr. Dann wird gemeinsam gefeiert, gesungen und getanzt. DUSmomente traf die Brüder Peter und Stephan Brings, die trotz vieler Termine zur Karnevalssession die Zeit für einen Plausch am Düsseldorfer Airport fanden.

Ihr seid kölsche Jungs durch und durch und singt kölsche Lieder. Mit Euren Bandkollegen steht Ihr aber auch in Düsseldorf auf der Bühne. Macht die Rivalität der Karnevalshochburgen bei Brings etwa eine Ausnahme?

PETER Die Rivalität zwischen Köln und Düsseldorf ist doch eher ein Sport. Das nehmen wir gar nicht ernst. Rheinland ist Rheinland. Aber als wir vor ein paar Jahren die ersten Auftritte hier hatten, wurden wir zunächst nicht mit offenen Armen empfangen. Auch so ein Titel wie „Kölsche Jung“ war nicht erwünscht. Doch wir haben unser Ding durchgezogen und irgendwann war das Eis gebrochen. Da haben sogar der Prinz und die Venetia auf den Tischen getanzt. Wir mussten uns das erspielen, aber es hat funktioniert.

STEPHAN  Eigentlich sind wir aber schon vor 28 Jahren das erste Mal hier aufgetreten. Die Düsseldorf-Connection gab es von Anfang an. Unsere beiden Tonleute sind Ur-Düsseldorfer. Wir hatten also immer eine Beziehung zu Düsseldorf.

 Von Köln nach Düsseldorf. Von Düsseldorf in die Welt. Wäre Karneval an anderen Orten dieser Welt – wie Rio, Venedig oder den kanarischen Inseln – auch eine Option für Brings?

PETER  Wir gehören in den rheinischen Karneval. So schön es woanders auch sein mag, da wollen wir gar nicht spielen. Die deutschen Karnevalsvereine leben ja von den Bands. Und Du willst ja auch allen gerecht werden. Das ist echt ein Spagat. Mit jedem Jahr, wo Du älter wirst, wird es umso anstrengender. Wir spielen jetzt in der Session fast 200 Auftritte. Am Tag sind es bis zu sechs.

 Wie haltet Ihr Euch dafür fit?

PETER  Das frag ich mich auch manchmal. Wir sind das schon gewohnt über all die Jahre. Stephan fährt unheimlich viel Fahrrad. Er hat sein Domizil in der Eifel, wo er sich zurückzieht. Ich laufe morgens. Das musst Du auch.

STEPHAN  Aber weißt Du, was die bittere Wahrheit ist: Du feierst nicht mit (lacht). Da guckst du, dass du schnell nach Hause kommst und dich ausruhst. Weil es am nächsten Tag ja wieder weiter geht. Sonst packst du das nicht. Das ist schon traurig manchmal.

PETER  Ja, das ist traurig, dass wir nicht mitfeiern können. Wir würden gerne länger bleiben, wo es uns gefällt. Aber andererseits ist das auch ein schönes Gefühl. Da wo wir hinkommen, verbreiten wir ja Freude.

 Auch wenn Eure Songs Stimmungsmacher sind, steckt meist etwas Ernstes dahinter. So auch bei Eurem neuen Album „Liebe gewinnt“?

PETER  Weißt du, bei uns sind die großen Helden des Karnevals die Bläck Fööss. Und es gibt ganz wenige Songs von den Bläck Fööss, die sich spezifisch mit dem Thema Karneval auseinander setzen. Eigentlich sind die Songs immer ein Spiegel des momentanen gesellschaftlichen Zustandes. Das kennt ihr ja auch in Düsseldorf. Der Rosenmontagszug ist weitaus bissiger als in Köln, was die politische Satire angeht. Der Grundgedanke des Karnevals ist tief anarchistisch. Bewusst mal nach oben zu treten und den Typen, die uns regieren, die Leviten zu lesen. Das ist auch unser Ding. Selbst ’ne Nummer wie „Kölsche Jung“ hat mit Karneval nix zu tun. Das ist ’ne Hommage an die Kölsche Sprache. Steh’ dazu, wo Du herkommst. Sprich Deinen Dialekt.

 Apropos Kölsche Mundart. Gibt es bei manchen Fans Verständnisprobleme?

PETER  Klar, gibt es Sprachbarrieren. Aber die Leute, die an der Band hängen, gucken, dass sie die Übersetzung kriegen. Die wollen textsicher sein.

STEPHAN  Auch wenn wir meist kölsch singen, unser neuer Song „Liebe gewinnt“ ist deutsch. Das war eine bewusste Entscheidung. Das würde in Mundart eine seltsam verniedlichte Form kriegen. Bei dem Song war es uns wichtig, dass der Text überall direkt verstanden wird. „Liebe gewinnt“ ist auch kein typischer Karnevalssong und doch werden wir ihn in der Session spielen. Wir sind für ein offenes buntes Rheinland. Dafür steht der Song.

 Was sind Eure liebsten Reiseziele?

PETER  Mallorca ist mein zweites Zuhause. Da fliege ich gerne hin. Auch von Düsseldorf. Am Flughafen fängt für mich der Urlaub an. Meine Finca liegt im Osten der Insel. Fernab vom Ballermann, umgeben von Pinienwäldern. Gerade nach Karneval braucht man einfach die Ruhe und Natur.

STEPHAN  Ich fahre meist mit dem Rad in die Eifel. Während der Fahrt kann ich gut über Songtexte nachdenken. 200 Einwohner hat mein Dorf. Die Leute denken schon, ich bin bekloppt, dass ich immer dorthin komme. Die würden ihren Urlaub lieber auf Mallorca verbringen.

 Welche Songs aus dem Brings-Repertoire könnt Ihr unseren Lesern für den Urlaub empfehlen?

PETER  „Nünzig Johr“ ist einer unserer älteren Songs. Etwas ruhiger und super zum Entspannen. Ich habe damals eine alte Frau kennengelernt, von der wir ein Café übernehmen wollten. Ich habe mit ihr einen Rundgang durch die Backstube gemacht und sie hat mir von ihrem Leben erzählt. Das hat mich so beeindruckt, dass ich einen Song daraus gemacht habe. Das wäre mein Tipp für einen netten Urlaubssong.

STEPHAN  Auf dem neuen Album gibt es noch „Sag et op Kölsch“. Sehr entspannt und gut geeignet fürs Abschalten im Urlaub. Ein anderer Song heißt „Clown“. Da geht es um das Verkleiden zum Straßenkarneval. Verwandeln hat den Zweck, alles abzustreifen und zu vergessen. Einfach mal relaxen, wie im Urlaub.

 Erinnert Ihr Euch noch an den allerersten Flug?

STEPHAN  Ganz genau erinnern wir uns noch daran. Wir sind mit unserem Vater und seiner Frau mit Condor nach Lanzarote geflogen. Das war Mitte der 70er. Das war eine Zeit, in der es überhaupt nicht normal war, zu fliegen. Unser Vater hat für den Urlaub lange gespart. Das war echt teuer. Als wir wiederkamen, lag hier Schnee. Das war im tiefsten Winter. Alle in der Schule haben uns erstaunt angeguckt. Warum seid ihr so braun, haben sie uns gefragt. Das konnten die gar nicht fassen (lacht). Was auch noch bei mir haften geblieben ist: Ich weiß noch, als wir auf Lanzarote ankamen, das ist ja ’ne Vulkaninsel mit Gesteinen, dort gibt es kaum Regen. Du fliegst los und landest in einer völlig anderen Welt. Das verblasst natürlich mit der Zeit, wenn Du öfter geflogen bist. Aber damals war das auch für unseren Vater das erste Mal. Wir waren alle total perplex. Das war ein bleibendes Erlebnis.

PETER (LACHT)  Der Papa hat uns dann damals auch gesagt: So ähnlich muss es auf dem Mond aussehen.

 Was gefällt Euch am Düsseldorfer Airport?

PETER  Jedes Jahr spielen wir im Maritim Hotel am Düsseldorfer Airport auf ’ner großen Sitzung. Und wenn Du als Kölner denkst, dass Köln einen großen Flughafen hat, und du kommst hierhin, wirst du eines Besseren belehrt. Düsseldorf ist echt ’ne große Nummer.

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