SCHAUSPIELER

JOACHIM KRÓL

„Wir können auch anders“, „Der bewegte Mann“, „Tatort“ und „Über Barbarossaplatz“. Die Liste an Filmen, in denen Joachim Król mitwirkte, ist lang. Auch im Theater steht er regelmäßig auf der Bühne. Neben der Schauspielerei schlägt sein Herz für den Fußball. DUSmomente traf Król am Airport. Als Fan von Borussia Dortmund stand er uns vor dem BVB-Flieger der Eurowings Rede und Antwort.

Herr Król, am 27. Dezember kommt „Der Junge muss an die frische Luft“ in die Kinos, mit Ihnen in der Rolle des Opas Willi. Der Film erzählt aus der Kindheit Hape Kerkelings und spielt zu großen Teilen im Ruhrgebiet. In Herne geboren, sind auch Sie ein Kind des Ruhrgebiets. Wurden bei den Dreharbeiten Erinnerungen wach?

KRÓL Ja natürlich. Hape Kerkelings Heimat und die Orte meiner Kindheit liegen nur knapp 20 Autominuten voneinander entfernt. Er ist gerade mal siebeneinhalb Jahre jünger als ich. Da kam mir einiges bekannt vor. Ich komme zwar aus einem fast ausschließlich von den umliegenden Schachtanlagen geprägten Millieu, aber den kleinen Lebensmittelladen als Mittelpunkt des Nachbarschaftlichen Lebens, der so wichtig war für den kleinen Hape und in dem er seine frühen parodistischen Talente ausprobieren konnte, gab es auch bei uns. Auch in den von den Filmausstattern großartig gestalteten Wohnungen, in denen Hapes Familienangehörige lebten, liebten, lachten und litten, fanden sich unzählige Dinge, an die ich mich erinnern konnte und die es auch in meinem elterlichen Haushalt gab. Und obwohl ich das Ruhrgebiet nie ganz aus den Augen verloren habe und regelmäßig dort bin, war ich an einem Drehtag sehr überrascht, im Hintergrund des Motivs „Großmutters Pferdestall“ eine aktive Kokerei zu entdecken. Die in den Himmel schießenden weißen Wasserdampfwolken, die beim „Löschen“ der glühenden Kokskohle entstehen, weckten verschüttete Kindheitserinnerungen.

 Mit Freunden haben Sie zu Studienzeiten eine Kneipe in Dortmund betrieben. Wie kam es dazu?

KRÓL  Da sprechen wir vom Anfang der 80er Jahre. Zu dieser Zeit gehörte mindestens eine Gastronomieepisode in jede ernstzunehmende Biographie. Seinerzeit war ich mit meiner Situation als Theaterwissenschafts- und Germanistikstudent an der Kölner Universität kreuzunglücklich und hatte das große Glück, von Freunden eingeladen zu werden, der siebte Kopf (es sind immer sieben) des Dortmunder Kneipenkollektivs „Vorort“ zu werden. Ein sehr intensives, arbeitsreiches,
lustvolles und multitoxisches Experiment, das ich nicht missen möchte. Außerdem habe ich in dieser Zeit meine Frau kennengelernt.

 Sie sind Charakterdarsteller durch und durch. Von Profikiller, KZ-Häftling bis hin zum Analphabeten. Es gibt wohl kaum etwas, was Sie noch nicht gespielt haben. Welche Rolle würde Sie noch besonders reizen?

KRÓL  Ich weiß aus Erfahrung, dass es mit dem Wünschen, besonders was die Rollen angeht, so eine Sache ist. Es würde mich sehr reizen, nach weit über 30 Jahren Leben in Köln eines Tages das Kölner Schauspielhaus wiederzueröffnen. Aber nicht unbedingt mit einem sehr alten König Lear.

 Hat das Thema Flughafen oder Fliegen in einem Ihrer Film- oder Theaterrollen eine besondere Rolle gespielt?

KRÓL  Oh ja, und ganz besonders der Düsseldorfer Flughafen. Viele Szenen des Films „Ausgerechnet Sibirien“ sind in einem im Hangar geparkten Airbus und in den Abfertigungshallen gedreht worden. Für den Film „Lautlos“, in dem ich einen
Auftragskiller spiele, sind sehr aufwändige Szenen im Stuttgarter Flughafen gedreht worden, die später alle auf dem Schneidetisch geopfert wurden.

 Wir haben Sie heute für einen Moment am Düsseldorfer Flughafen getroffen. Was verbinden Sie mit dem Airport? Erinnern Sie sich vielleicht sogar noch an Ihren ersten Flug ab Düsseldorf?

KRÓL  Mit dem Düsseldorfer Flughafen verbinde ich Reisen in den Urlaub. Auf die Kanarischen Inseln oder die Balearen bin ich im Wesentlichen von hier aus angeflogen. Köln ist ja nicht besonders weit weg und die Verkehrsanbindung ist sehr gut.

 Hatten Sie ein besonderes Erlebnis beim Fliegen?

KRÓL  Sehr gerne denke ich an die Tage vom „Bewegten Mann“ zurück. Ich hatte mich in der Rolle des Norbert Brommer wohl in das Herz von so manchem charmanten Stewart gespielt, sodass ich nicht selten gebeten wurde, mit dem Aussteigen
bis zuletzt zu warten. An der Flugzeugtür wurde mir dann mit einem Kompliment eine Flasche Champagner zugesteckt (ja, es gab einst Champagner in der Luft). Und der liebe Norbert Brommer hat mir, aus denselben Gründen, sogar einmal zu einem Upgrade in die erste Klasse eines Transatlantikfluges verholfen.

 Wohin geht es am liebsten in den Urlaub? Welches neue Reiseziel steht ganz oben auf Ihrer Wunschliste?

KRÓL  Ich will ehrlich sein. Da ich beruflich viel fliege, hat die Sehnsucht nach der Ferne erheblich nachgelassen, sodass ich zuletzt mehr oder weniger Urlaub in Deutschland gemacht habe. Da gibt es viel zu entdecken. Es gibt aber noch einige weiße Flecken auf meiner „biographischen Landkarte“. Vielleicht wird mein Fernweh ja wieder geweckt.

 Als Schauspieler sind Sie sicher viel unterwegs, müssen mobil sein und fliegen mit dem Flugzeug von einem Drehort zum nächsten. Wie wünschen Sie sich das Fliegen der Zukunft?

KRÓL  Eigentlich wünsche ich mir das, womit die Airlines heute schon werben, was aber leider häufig auf der Strecke bleibt. Pünktlichkeit, guter Service, entspanntes Personal.

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