MUSIKER

HENNING WEHLAND

Henning Wehland steht auf Crossover. Das gilt sowohl für seine Musik als auch für die Lebensprojekte des Sängers. Der Mitbegründer der H-Blockx und Sohn Mannheims probiert sich gerne aus. Bevor es auf die Bühne des „AirCappella Festivals“ ging, erklärte der 46-Jährige den DUSmomenten, was ihn  antreibt, wie er sich in der Politik engagieren will und warum er gern der Letzte an der Bar ist.

Mit H-Blockx hast du englische Rockmusik gemacht, mit den Söhnen Mannheims deutschen Soul. Singst du lieber auf Englisch oder auf Deutsch?

Früher lieber auf Englisch. Wir haben mit den H-Blockx ja 25 Jahre lang englischsprachige Rockmusik gemacht. Aber durch die Söhne Mannheims habe ich natürlich auch die Leidenschaft zur deutschen Sprache wiedergefunden. Ich habe dann versucht, für sie Songs zu schreiben, aber mein Duktus passte irgendwie nie so richtig zu den Söhnen. Also habe ich so vor drei, vier Jahren angefangen, für mich selbst deutsche Texte zu schreiben, und habe gemerkt, dass da noch sehr viel Potential an Geschichten ist, die es zu erzählen gilt. Insofern würde es sich für mich jetzt fremd anfühlen, wieder auf Englisch zu texten.

 Mit H-Blockx hast du englische Rockmusik gemacht, mit den Söhnen Mannheims deutschen Soul. Singst du lieber auf Englisch oder auf Deutsch?

Henning Wehland  Früher lieber auf Englisch. Wir haben mit den H-Blockx ja 25 Jahre lang englischsprachige Rockmusik gemacht. Aber durch die Söhne Mannheims habe ich natürlich auch die Leidenschaft zur deutschen Sprache wiedergefunden. Ich habe dann versucht, für sie Songs zu schreiben, aber mein Duktus passte irgendwie nie so richtig zu den Söhnen. Also habe ich so vor drei, vier Jahren angefangen, für mich selbst deutsche Texte zu schreiben, und habe gemerkt, dass da noch sehr viel Potential an Geschichten ist, die es zu erzählen gilt. Insofern würde es sich für mich jetzt fremd anfühlen, wieder auf Englisch zu texten.

 Wie bist du damals eigentlich von H-Blockx zu den Söhnen Mannheims gekommen?

Henning Wehland  Von verschiedenen Veranstaltungen kannte ich schon Xavier Naidoo und Michael Herberger, den Chef der Söhne Mannheims. 2003 habe ich ihn auf einem Kirchentag wiedergetroffen. Damals ging es darum, wie viel Glaube in Popmusik steckt. Wir waren nicht immer einer Meinung, aber wir hatten großen Respekt voreinander und haben uns gut verstanden. Er hat mich nach Mannheim eingeladen und da saßen dann plötzlich die ganzen Söhne. Wir haben einen Song zusammen eingespielt und zum Abschluss der Produktion hat mich die Band gefragt, ob ich nicht Lust hätte, bei ihnen mitzumachen. Das habe ich selbst erst für einen großen Witz gehalten, aber ich habe die Herausforderung angenommen.

 Das wurde doch sicher kontrovers aufgenommen?

Henning Wehland  Ja klar. Teilweise bin ich nach Konzerten mit den H-Blockx direkt in den Flieger und zu einem Konzert der Söhne Mannheims geflogen. Aber ich bin Musiker und nicht auf eine Musikrichtung festgelegt. Wenn mich Leute in Schubladen stecken wollen, bin ich eben die Kommode mit ganz vielen Schubladen. Dieser Crossovergedanke, den wir schon mit den H-Blockx angefangen haben, der lässt mich bis heute nicht los. Genauso, wie der Letzte an der Bar zu sein, eben an der Theke des Lebens die verschiedenen Gesinnungen zu verbinden.

 Womit wir bei deinem 2017 veröffentlichten ersten Soloalbum wären. Warum heißt es „Der Letzte an der Bar“? Bedienst du damit das Klischee des ständig feiernden Künstlers?

Henning Wehland  Natürlich ist das der erste Eindruck. Aber an der Bar kommt man auch sehr schnell ins Gespräch und man erfährt Dinge von Menschen, die man sonst nicht erfahren hätte. Das ist ja an einem Flughafen auch nicht anders. Da lernt man Leute kennen, die man sonst nirgendwo so kennengelernt hätte. Der Letzte an der Bar ist für mich einfach ein total schönes Bild, weil es auch mit Aushalten zu tun hat, weil es auch Meinung widerspiegelt, weil man eben nicht nur mit dem Strom schwimmt. Es zeigt, dass es auch Dinge gibt, für die man einsteht, und ich finde, das ist ein rares Gut geworden. Der Albumname passt ja auch so gut, weil du selbst mal eine Kneipe in Münster hattest.

 Standst du da eher hinter oder an der Theke?

Henning Wehland  Um ehrlich zu sein, habe ich es vermieden, überhaupt in den Laden zu gehen. Ich fand es anstrengend, zu gucken, ob genügend Leute kommen und ob die Kasse am Ende des Tages stimmt. Ich war nie jemand, der hinterm Tresen stand. Für die Gastronomie bin ich nicht geschaffen, auch wenn ich das meinen Freunden gern so verkaufen wollte.

 Du bist heute auf unserem „AirCappela Festival“ zu Gast. Wäre A Cappella auch eine Gesangsrichtung, die dir zusagen würde, oder hattest du damit schon zu tun?

Henning Wehland  Natürlich habe ich damit zu tun, allein durch die Vocalproben mit den Söhnen Mannheims. Da singen wir teilweise drei, vier Stunden lang nur einen Song. Anfangs klingt es wie die Hölle, aber irgendwann schwingen wir uns ein und das ist dann wie Yoga. Jeder versucht, sich auf den anderen einzustimmen und man will ein gemeinsames Erlebnis schaffen, ich glaube, das ist bei A-Cappella-Gruppen auch so. Auf der anderen Seite liebe ich es, wenn ich eine harmonische Begleitung mit einem Instrument habe. Bei A Cappella werden die Instrumente dagegen imitiert. Das ist natürlich beeindruckend, aber am Ende bin ich eben Rock ‘n‘ Roller und würde mich auch immer dafür entscheiden.

 Du bist bei vielen Jüngeren vor allem als Juror von „The Voice Kids“ bekannt geworden. Hättest du am Anfang deiner Karriere mal an einer Castingshow teilgenommen?

Henning Wehland  Nein. Ohne es verurteilen zu wollen, aber Musik ist wie zum Beispiel Skateboardfahren, etwas, das man nicht in der Schule lernt. Es hat mich fasziniert, meine Form des Ausdrucks zu finden und ich habe bis heute nicht aufgehört, darüber nachzudenken. Mir macht es immer noch Spaß, mich ständig neu zu erfinden. Es gibt keine zweiten H-Blockx oder Söhne Mannheims und auch keinen zweiten Henning Wehland, deswegen macht es für mich keinen Sinn, sich in einen Wettbewerb zu stellen. Es war nie mein Ziel, den Gesang zu perfektionieren, sondern den Ausdruck. Und der hängt unweigerlich mit der Persönlichkeit zusammen.

 Du bist nicht nur Künstler, Gesangscoach und ehemaliger Kneipenbesitzer, sondern warst auch Fernsehmoderator und Manager, zum Beispiel von The BossHoss. Momentan möchtest du Bürgermeister von deiner Heimatstadt Münster werden. Was treibt dich an, dir sowohl musikalisch als auch abseits der Musik alle paar Jahre eine andere Aufgabe zu suchen?

Henning Wehland  Ich muss dich korrigieren: Ich möchte nicht Bürgermeister von Münster werden, sondern ich werde es. Die Frage ist nur, wann. Ich hab schon Bock, mich zu engagieren. Ich hatte das große Glück, direkt nach dem Zivildienst mit H-Blockx auf Tour gehen zu können. Ich habe zwar auch mal ein paar Semester studiert, aber das hat für mich einfach nicht funktioniert. Und so rückblickend betrachtet, ist es vermutlich genau das: Ich habe nie ein Netz mit doppeltem Boden gehabt. Ich wollte nie ein zweites Standbein, ich wollte einfach etwas machen. So wie damals die Kneipe oder die Eventagentur. Das ist für mich und mein Umfeld heute immer noch teilweise schwierig, weil ich eine starke Energie entwickeln kann, wenn ich eine Vision habe. Und oft sind solche Visionen auch nicht wirklich cool und sinnvoll. Aber was mich antreibt, das sind eben diese Ideen, ich möchte Dinge bewegen.

 Was kommt als Nächstes?

Henning Wehland  Das nächste Album, an dem ich momentan arbeite und von dem ich hoffe, dass es im Herbst rauskommt. Ich nenne jetzt jeweils zwei Begriffe und würde dich bitten, dich für einen zu entscheiden.

 Kneipenauftritt oder Festivalbühne?

Henning Wehland  Kneipenauftritt.

 Tourbus oder Hotel?

Henning Wehland  Tourbus.

 Vinyl oder digital?

Henning Wehland  Vinyl.

 Laut oder leise?

Henning Wehland  Laut.

 Pils oder Alt?

Henning Wehland  
Hauptsache Bier (lacht).

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