SKISPRUNGLEGENDE UND FILMSTAR

Eddie The Eagle

Vor fast 30 Jahren wurde Michael Edwards als „Eddie the Eagle“ weltberühmt. Trotz mangelnden sportlichen Erfolgs, landete Großbritanniens erster olympischer Skispringer in den Herzen der Zuschauer. Im OpenAirport Kino sah sich Eddie zusammen mit anderen Kinobesuchern den Film über sein Lebenswerk an. Und stand uns hinterher Rede und Antwort.

Jaschinski Hast Du eigentlich Flugangst?

Eddie the Eagle Nein, ich mag Fliegen – ob mit dem Flugzeug oder mit untergeschnallten Skiern. Obwohl ich vor den Sprüngen von der hohen Schanze jedes Mal sehr aufgeregt war. Aber das Fliegen im Flugzeug genieße ich richtig. In meinem Olympiajahr 1988 bin ich so vier- bis fünfmal pro Woche geflogen und habe die ganze Welt sehen dürfen.

Jaschinski  Es ist jetzt 28 Jahre her, dass du bei den Olympischen Spielen in Calgary teilgenommen hast und dort zum Publikumsliebling avanciert bist. Wie ist es heute, erkennen dich die Leute als Eddie the Eagle oder bist du eher unter deinem Geburtsnamen Michael Edwards bekannt?

Eddie the Eagle  Meistens bin ich für die Leute Eddie the Eagle, aber ich staune immer wieder darüber, wenn ich auf der Straße erkannt werde. Ich sehe heute ganz anders aus als vor 28 Jahren.

Jaschinski  Stimmt, du siehst viel besser aus.

Eddie The Eagle  Oh, Dankeschön. Ich trage keine Brille mehr und habe meine Kieferfehlstellung, mein Kinn und meine Zähne richten lassen. Wahrscheinlich erkennen mich die Leute aber auch, weil ich vor kurzem eine TV-Show im britischen Fernsehen hatte. Anders wäre es wirklich schwierig, den Eddie von vor fast 30 Jahren wiederzuerkennen.

Jaschinski  Warst du als Kind schon sportlich?

Eddie the Eagle  Ich habe immer viel Sport gemacht: Fußball, Cricket, Rugby, Leichtathletik, Volleyball, Kung Fu, Judo, Karate… Mit 13 Jahren habe ich dann in der Schule Skifahren gelernt und dachte „Das ist der richtige Sport für mich.“ Aber dann kam ich zum Skispringen und bin letztendlich zu den Olympischen Spielen gefahren und das ist meine Lebensgeschichte. Ich habe mich für eine der schwierigsten Sportarten entschieden, die noch dazu sehr ungewöhnlich für einen Briten ist. Aber das hat nur für zusätzlichen Spaß gesorgt.

Jaschinski  In Calgary gehörtest du zu den Außenseitern. Obwohl du britischen Rekord gesprungen bist und dich damit für Olympia qualifizieren konntest, warst du von den Leistungen der anderen Springer meilenweit entfernt. Warum hast du dich überhaupt für diesen Sport entschieden?

Eddie the Eagle  Weil er günstiger als Alpin Ski war (lacht). Seitdem ich 8 Jahre alt war, wollte ich einmal an den Olympischen Spielen teilnehmen. Und da es keine anderen Skispringer in Großbritannien gab, habe ich meine Chance ergriffen.

Jaschinski  Du warst bereits 2010 im Rahmen des „ReiseSuper Markts“ am Düsseldorfer Flughafen zu Gast. Damals bist Du von einer Schanze mitten im Terminal gesprungen. Machst du das noch häufig?

Eddie the Eagle  Das war in der Tat einer meiner letzten Sprünge. Im Januar bin ich das erste Mal nach 20 Jahren noch einmal von einer 90-Meter-Schanze gesprungen. Ansonsten springe ich nicht mehr sehr oft, weil wir in Großbritannien keine Skischanzen haben, was das Ganze natürlich erschwert. Für meine TV-Serie bin ich ein paar Mal die 20- und 30-Meter-Schanzen gesprungen, aber das war’s auch schon.

Jaschinski  Aber du verfolgst die Sportart noch?

Eddie the Eagle  Ich nutze jede Gelegenheit, um mir Skispringen im Fernsehen anzuschauen. Vor allem wenn ich in Deutschland oder Österreich bin. Bei mir zu Hause gibt es das natürlich nicht im Fernsehen. Ich weiß noch nicht mal, wer aktueller Weltmeister ist.

Jaschinski  Du warst 1988 nicht der einzige Underdog, der es zu Olympia geschafft hat. Es gab noch ein gewisses Bob Team aus Jamaika. 1993 hat World Disney mit „Cool Runnings“ einen Film über ihre Geschichte gedreht. Hättest du damals gedacht, dass auch dein Werdegang einmal verfilmt werden würde?

Eddie the Eagle  Als „Cool Runnings“ herauskam, dachte ich, dass es bestimmt keinen zweiten Film über dieselben Winterspiele geben würde. Aber dann kam 1999 eine Filmproduktionsfirma aus Los Angeles auf mich zu, die mein Leben gerne verfilmen wollten. Das Projekt lag aber lange auf Eis, weil sie Sponsoren finden mussten und einen Schauspieler, der mich darstellt. Robbie Williams war zum Beispiel im Gespräch.

Jaschinski  Aber der wollte den Job nicht?

Eddie the Eagle  Offensichtlich nicht. 15 Jahre später bekam ich dann den Anruf, dass sie jetzt loslegen wollen, und dass sie Hugh Jackman und Taron Egerton engagieren konnten. Ich war so aufgeregt! Es war gut, dass der Film erst 28 Jahre nach Calgary erschienen ist, denn 17 Jahre eher wäre es ein ganz anderer Film geworden. Die Technik und Spezialeffekte sind viel besser geworden und das Filmteam hat einen wahnsinnig guten Job gemacht.

Jaschinski  Also magst du den Film?

Eddie the Eagle  Ich liebe ihn. Es ist ein sehr emotionaler Film, er bringt einen zum Lachen und zum Weinen. Das Filmteam hat den Geist der Geschichte wirklich gut getroffen und ich freue mich sehr über das Ergebnis.

Jaschinski  Machte dich der Film auch wieder populärer?

Eddie the Eagle  Absolut! Ich bin ständig unterwegs und spreche auf Veranstaltungen auf der ganzen Welt über meine Lebensgeschichte. Ich war in Europa, Kanada, Amerika… und im August bei den Olympischen Spielen in Brasilien.

Jaschinski  Was machst du, wenn du mal nicht unterwegs bist?

Eddie the Eagle  Wenn ich nicht auf PR-Tour bin, arbeite ich als Maurer und Stuckateur. Aber zurzeit bin ich so beschäftigt, dass ich dieser Arbeit bestimmt für das nächste Jahr nicht nachgehen kann. Und wenn ich doch mal Zeit habe, renoviere ich mein eigenes Haus. Das hat es dringend nötig.

Jaschinski  Als Stuckateur kennst du dich ja auch mit Farben aus. Wenn du eine eigene Airline hättest, wie würdest du die Flugzeuge lackieren lassen?

Eddie the Eagle  In meiner Lieblingsfarbe: Pink! Die würden sich dann von allen anderen Flugzeugen abheben.

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