KABARETTIST

DIETER NUHR

Dieter Nuhr grinst pfiffig-ironisch. Im perfektionierten Plauderton streift er wie gewohnt aktuelle Themen, die Menschen bewegen. So schätzt ihn das Publikum. Nach einem Flug von Berlin nach Düsseldorf nimmt er sich Zeit für einen DUSmoment am Düsseldorfer Airport. Seine Sprache ist wie immer klar, pointiert und treffsicher. Seit vielen Jahren zählt der Düsseldorfer mit seiner scharfen Zunge zur ersten Liga der Kabarettszene in Deutschland.

Herr Nuhr, Sie sind als der Mann für intelligentes Kabarett bekannt. Hier also direkt eine hoch anspruchsvolle Frage zu Beginn unseres Interviews. Wie war Ihr Flug?

NUHR Prima. Sonst wäre ich nicht hier. Die erste Priorität beim Fliegen ist ja das kontrollierte Landen. Wenn das nicht gelingt, gibt man meistens keine Interviews mehr.

 Das nenne ich vielseitig: Sie sind Kabarettist, Komiker, Autor, Moderator, Fotograf und Fortuna-Fan. Was sind Sie davon zurzeit am meisten?

Nuhr  Ich habe da keine Prioritäten. Ich habe 80 bis 120 Jahre auf dieser Welt. Die versuche ich kreativ zu füllen. Ich betrachte die Welt als meinen Lebensraum, den ich mir gerne anschaue. Deshalb reise ich viel. Dann mache ich etwas daraus. Bilder, Texte. Dass ich häufig auf Distanz zu meinem Lebensmittelpunkt gehe, ermöglicht mir eine distanzierte Sicht auf die eigene Welt. Es hilft, den eigenen Standpunkt zu objektivieren. Fortuna betrachte ich eher buddhistisch. Man kann Freude im Leben nur empfinden, wenn man auch das Leid kennt. Fortuna ist immer Ying und Yang. Es geht immer mal aufwärts, aber dann auch todsicher wieder abwärts.

 Sie sprechen bei Ihren Auftritten auch heikle Themen an wie zum Beispiel den radikalen Islamismus oder Rechtsradikalismus. Dazu gehört Mut. Wie gehen Sie mit kritischen Stimmen um?

NUHR  Für Kritik bin ich immer dankbar. Leider wird heute meistens keine Kritik geäußert, sondern gedroht, krakeelt und gebrüllt. In der Regel wird heute nicht argumentiert, sondern etikettiert. Die öffentliche Diskussion hat sich demokratisiert: Jeder schreit mit. Deshalb versuche ich es gerne auf die etwas leisere und inhaltliche Art.

 Ein weiteres Thema, das Ihnen sehr wichtig ist, ist ihr soziales Engagement. Hierfür wurden Sie schon öfter ausgezeichnet. Denn seit vielen Jahren engagieren Sie sich für SOS-Kinderdörfer und machen sich für die gute Sache stark. Was machen Sie hier genau und wie kam es dazu?

NUHR  Ich halte meinen Kopf hin und bürge so für die Seriosität des Vereins, und ich mache auch Auftritte für SOS. Ich habe Kinderdörfer in vier Kontinenten besucht und weiß also, wie da gearbeitet wird: pragmatisch, kulturbewusst, effizient. Ein Kinderdorf ist meist mehr als ein Kinderdorf. Es gibt Schulen, Familienprogramme, Arztstationen, Weiterbildungsstätten. Eine SOS-Institution ist oft in der Lage, das gesamte Umfeld zu verändern. Das ist weit mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. SOS macht das, was andere gerne fordern: Verhinderung von Fluchtursachen. Sie verbessern die Lage der Menschen in ihrer Heimat. Großartig.

 Kommen wir zurück zu Ihren regelmäßig ausverkauften Hallen. Was bringt Dieter Nuhr eigentlich zum Lachen?

NUHR  Ich lache eigentlich den ganzen Tag, weil ich Humor als therapeutische Verarbeitung begreife. Der Alltag ist ohne Humor nicht zu verkraften.

 Was ich schon immer wissen wollte. Sie schreiben Ihre Texte selbst. Ihre Auftritte gehen oft über mehrere Stunden. Wie lernen Sie eigentlich so lange Textpassagen?

NUHR  Ich schreibe sie selbst und weiß, wovon ich rede, das hilft.

 Sie beherrschen die Kunst, ein Publikum gleichzeitig zum Lachen und zum Denken zu bringen. Mit wem testen Sie Ihre Programme? Mit Ihrer Frau Jutta?

NUHR  Sie ist in der Tat meine erste Dramaturgin. Ansonsten probiere ich gern vor Publikum aus. Irgendjemand muss dran glauben. In der Regel machen die Leute das gerne.

 Sie sind – wie besprochen – durch all Ihre Aktivitäten als gefragter Kabarettist und SOS-Unterstützer und Botschafter viel mit dem Flieger unterwegs. Sind Ihnen während eines Fluges schon gute Pointen für Ihre Auftritte eingefallen? Hilft möglicherweise die Höhenluft dabei?

NUHR  Sauerstoffmangel in der Birne gilt ja in erster Linie als wenig förderlich. Aber da sind meine medizinischen Kenntnisse möglicherweise nicht auf dem neuesten Stand. Vielleicht sollte ich mal versuchen, in völliger Bewusstlosigkeit zu schreiben. Im Flugzeug bin ich meist damit beschäftigt, Tassen und Verpackungen, Computer und Handy so hin- und herzuschieben, dass der Kaffee nicht auf der Hose landet. Wenn ich damit fertig bin, sind wir meist schon wieder gelandet. Ideen kommen dann später.

 Welchen Job am Airport könnten Sie sich für sich vorstellen?

NUHR  Selbstverständlich Pilot. Der Job ist am weitesten entfernt vom Kofferband, wo man oft schwer tragen muss. Großen Respekt für die Leute da, dafür wäre ich zu schwach.

 Letzte Frage: Wie sieht für Dieter Nuhr ein perfekter Tag aus?

NUHR  Da gibt es viele Möglichkeiten, aber im Cockpit zu sitzen und selbst zu fliegen wäre schon mal nicht schlecht. Leider lässt man mich nicht, dabei war ich schon mal im Simulator und habe es mehrfach geschafft, zu landen, ohne die Triebwerke in Brand zu setzen. Die Chance also, dass alle im Flugzeug lebend ankämen, wäre meines Erachtens weit über 30 Prozent. Man muss auch mal was wagen!

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