HEAVY METAL-LEGENDE UND „ED FORCE ONE“-KAPITÄN

BRUCE DICKINSON

Zwei Herzen schlagen in seiner Brust. Das eine für die Musik, das andere für die Fliegerei. Bruce Dickinson, Sänger der Metalband „Iron Maiden“, ist begeisterter Luftfahrtenthusiast. Und so fliegt er seine Band höchstpersönlich um die Welt. Im Falle der aktuellen Welttour sogar in einer eigens gecharterten Boeing 747-400. Für den Gig im Rahmen des „Rock im Revier“-Festivals setzte der Jet mit der symbolträchtigen Flugnummer CC666 auf dem Düsseldorfer Flughafen auf. Kurz nach der Landung nahm sich der Brite einen Moment Zeit für ein Interview mit DUSmomente.

Jaschinski Andere Bands haben einen Tourbus, Iron Maiden geht im eigenen Flieger auf Welttournee. Wie muss man sich einen Flug in der Ed Force One vorstellen? Feiern die anderen Bandmitglieder und die Crew wilde Partys, während Du im Cockpit arbeitest?

Dickinson Das kommt schon mal vor. Aber nur, wenn sie Zeit haben und die Anschnallzeichen aus sind (lacht). Unsere Crew ist sehr professionell. Auf langen Flügen nutzen sie die Zeit lieber, um ein wenig zu entspannen.

Jaschinski  Machst du denn Bordansagen, um über Flughöhe und Wetter zu informieren?

Dickinson  Normalerweise nicht. Wer etwas wissen will, braucht einfach nur ins Cockpit zu kommen und zu fragen. Wir haben aber im unteren Bereich eine große GPS-Karte einbauen lassen, auf der alle wichtigen Fakten zu sehen sind.

Jaschinski  Du besitzt seit 1991 den Pilotenschein und warst bis 2011 für die britische Fluggesellschaft Astraeus beschäftigt. Gibt es einen Unterschied, ob man normale Passagiere oder seine eigene Band fliegt?

Dickinson  Ehrlich gesagt nicht. Wenn sich die Türen schließen, ist es auch einfach nur ein ganz normales Flugzeug. Aber in der Ed Force One muss man immer besonders gut starten und landen, weil alles, was wir machen, direkt auf Youtube landet. Jeder hat heutzutage ein Handy und jeder will ein Selfie mit dem Ding machen. Das lenkt die Leute manchmal ganz schön ab. Ab und an sieht man Menschen, die eng neben unserem Jet herfahren und einfach nicht nach vorne schauen. Mir ist’s ja egal, wenn sie irgendwo gegen fahren, aber bitte nicht in mein Flugzeug!

Jaschinski  In Chile ist ja erst neulich ein Unfall mit der Ed Force One passiert. Der Jet kollidierte mit einem Schlepper wobei zwei Triebwerke beschädigt wurden.

Dickinson  Das war wirklich schlimm. Die beiden Männer hatten Glück, dass sie dabei nur leicht verletzt wurden, denn der Schaden kostete mehrere Millionen Dollar. Und all das nur, weil ein kleiner Steuerungspin fehlte, der verhindert, dass das Bugrad vom Cockpit aus gelenkt werden kann. Jetzt lasse ich mir den Pin vor einem Flug immer von den Mechanikern zeigen.

Jaschinski  Warum überhaupt der Zweitjob als Pilot? War dir das Leben als Heavy-Metal-Star zu langweilig?

Dickinson  Keineswegs, mit der Musik läuft es fantastisch. Ich liebe das Fliegen und ich liebe das Singen. Ich liebe es auch, Bier zu trinken (lacht). Ernsthaft: Ich tue Dinge, weil ich sie gerne tue. Ich könnte mir nicht vorstellen, etwas nur des Geldes willen zu machen. Das wäre meiner Meinung nach die falsche Einstellung zum Leben.

Jaschinski  Früher wart ihr mit einer 757 unterwegs. Warum habt ihr für eure jetzige „The book of Souls“-Tournee eine 747 gechartert, für die du extra eine Umschulung machen mussten?

Dickinson  Ob du es glaubst oder nicht: Die 757 hätte uns nahezu dasselbe gekostet wie die 747. Wir hätten teure Umbauten machen müssen und außerdem ist sie auf der Langstrecke für uns effektiver. In der 747 können wir mehr Leute und fast das Doppelte an Ausrüstung mitnehmen. Und: Es ist eine 747! Das ist echt so cool!

Jaschinski  Ist das dein Lieblingsflugzeugtyp?

Dickinson  Für mich ist das ein sehr spezielles Flugzeug. Es ist eine Legende. Eine Ikone! Ein Klassiker!! Wenn mich Leute fragen, was als nächstes dran ist, vielleicht ein A380, dann muss ich verneinen. Der reizt mich nicht so sehr.

Jaschinski  Wie viele Meilen bist du für die aktuelle Tour bereits geflogen und wie viele werden es insgesamt?

Dickinson  Bisher müssten es so um die 80.000 Meilen gewesen sein. Wir sind zu dritt im Cockpit: Neben mir gibt es noch einen weiteren Kapitän und einen ersten Offizier. Aber da ich für meine 747-Lizenz noch Flugstunden im Echtbetrieb sammeln musste, waren die ersten zehn Segmente des Trips Training. Insgesamt werden es wohl so 100.000 Meilen werden, die wir mit der Ed Force One zurücklegen.

Jaschinski  Kommen dir über den Wolken leichter Ideen für neue Songs?

Dickinson  Nicht direkt für Songs, aber manchmal sieht man da oben sehr poetische Bilder. Sonnenuntergänge etwa, oder Schattenspiele. Das inspiriert mich.

Jaschinski  Du bist schon so viel herumgereist – welchen Ort auf der Welt willst du unbedingt noch sehen?

Dickinson  Im Moment kann ich gar nicht darüber nachdenken, wo ich gerne sein würde. Außer vielleicht in meinem Bett.

Die „Ed Force One” am Düsseldorfer Airport

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